KWS-Aufsichtsrat: Marie Theres Schnell folgt ihrem Vater Arend Oetker


Generationenwechsel beim Großaktionär: Marie Theres Schnell folgt ihrem Vater Arend Oetker im KWS-Aufsichtsrat.  Foto: fb Frank Bertram

Generationenwechsel beim Großaktionär: Marie Theres Schnell folgt ihrem Vater Arend Oetker im KWS-Aufsichtsrat. Foto: fb Frank Bertram

Am östlichen Rand des Firmengeländes in Einbeck investiert KWS, der Rohbau der Logistikhalle für die Zuckerrübensaatgutaufbereitung steht bereits. Abbildung: KWS

Am östlichen Rand des Firmengeländes in Einbeck investiert KWS, der Rohbau der Logistikhalle für die Zuckerrübensaatgutaufbereitung steht bereits. Abbildung: KWS

15.12.2016, fb. Wichtiger Wechsel im Aufsichtsrat bei KWS: Nach mehr als 20 Jahren in diesem Gremium zieht sich Arend Oetker (77) zurück. Bereits vor einem Jahr hatte Großaktionär Oetker in einer vorweggenommenen Erbfolge seine in Berlin sitzende Vermögensverwaltungsgesellschaft fast gänzlich auf seine fünf Kinder übertragen. Im Zuge dieses Generationenwechsels hatte Oetkers älteste Tochter Marie Theres Schnell (40) die unternehmerische Verantwortung für die KWS-Stimmrechtsanteile übernommen, die jetzt 27 Prozent betragen. Schnell betonte vor ihrer Wahl in den Aufsichtsrat, dass sie mit ihren vier Geschwistern das gemeinsame Engagement in bewährter Weise langfristig fortführen möchte. Arend Oetker wurde zum Ehrenmitglied des KWS-Aufsichtsrats gewählt.  

KWS konnte in dem bei der Hauptversammlung bilanzierten Geschäftsjahr 2015/2016 den Umsatz um 5,2 Prozent auf 1.036,8 (986,0) Millionen Euro steigern. Das EBIT erreichte 112,8 (113,4) Millionen Euro und sank damit leicht. Insgesamt blieben Umsatzwachstum und die Ertragskraft (EBIT-Marge: 10,9 Prozent) im Rahmen der gesetzten Ziele. Der Aufwand für Forschung & Entwicklung wurde um 4,5 Prozent auf 182,4 (174,6) Millionen Euro erhöht. Damit flossen 17,6 Prozent der Unternehmenserlöse in Forschung & Entwicklung. Die Vertriebsaufwendungen stiegen um 4,1 Prozent auf 196,8 (189,0) Millionen Euro. Für das kommende Geschäftsjahr erwartet KWS eine leichte Steigerung der EBIT-Marge bei abgeschwächtem Umsatzwachstum. Die Aktionäre haben eine stabile Dividende in Höhe von 3 Euro je Aktie beschlossen und damit gut 19,8 Millionen Euro des Bilanzgewinns der KWS ausgeschüttet.

Die KWS Saat SE wird den Stammsitz in Einbeck weiter ausbauen und dort in den nächsten drei Jahren mehr als 40 Millionen Euro investieren. Möglich wird das unter anderem durch ein gutes Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16. „Es war kein Spaziergang, sondern ein großes Stück Arbeit“, sagte Vorstandssprecher Hagen Duenbostel bei der Hauptversammlung vor mehr als 600 Aktionären in Einbeck. KWS habe sich in einem schwierigen Marktumfeld sinkender Preise gut behaupten können und sei solide aufgestellt. „Unsere Leistungsfähigkeit und unsere Werte sind eine verlässliche Basis für den Erfolg.“

Etwa die Hälfte von insgesamt rund 100 Millionen Euro hat KWS im Geschäftsjahr 2015/16 in Deutschland investiert. Erweitert hat KWS für rund 2,4 Millionen Euro zuletzt das Betriebs-Restaurant „Forum“ in Einbeck auf eine Kapazität von 800 Essen pro Tag. Etwa 500 werden zurzeit täglich ausgegeben. Auch die Gewächshausfläche in Einbeck hat das Unternehmen vergrößert auf eine Größe von etwa drei Fußballfelder. Durch dieses sechs Millionen Euro große Investment kann der Saatzüchter nach eigenen Angaben besser zeitgleich und unabhängig voneinander Versuche durchführen.

Am Standort Einbeck arbeiten aktuell rund 1300 Mitarbeiter, davon etwa 650 im Bereich Forschung und Entwicklung. Weltweit beschäftigt KWS mehr als 4800 Menschen, drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Mit Leidenschaft und unternehmerischem Freiraum finden unsere Kollegen immer neue Lösungen“, dankte Vorstandssprecher Hagen Duenbostel. Jährlich erhält KWS bis zu 400 neue Sorten-Zulassungen.

In vier Schritten bis 2019 wird KWS seine Zuckerrüben-Saatgutaufbereitung ausbauen und ingesamt dafür etwa 41 Millionen Euro investieren. Der Rohbau einer 5600 Quadratmeter großen Logistikhalle steht bereits auf dem östlichen Teil des Firmengeländes; er soll im Frühjahr 2017 fertiggestellt sein. Ziel der neuen Aufbereitung ist, die Kapazität zu erweitern. Heute frage der Kunde immer kleinteiligere Mengen nach, sagt KWS. Die derzeitige Saatgut-Aufbereitung muss dafür häufig umgerüstet werden, was die im Sieben-Tage-Dreischicht-Betrieb laufende Anlage an ihre Grenze bringt.

Mit fast 400.000 Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr hat KWS regionale Projekte gefördert, unter anderem die Einbeck Marketing GmbH, aber auch ein Garten-Projekt zusammen mit der Pestalozzi-Grundschule in Einbeck. Drei engagierte Lehrerinnen betreuen dabei unter dem Motto „Beet statt Schulbank“ die Junggärtner in einem bislang brach gelegenen Kleingarten. Weitere 400.000 Euro fließen in Projekte der Wissenschaft und Forschung.

KWS hat auch in anderen Bereichen soziale Verantwortung übernommen. Das Unternehmen unterstützt weiterhin das Sachspendenmagazin der Diakonie-Stiftung „Neue Nachbarn“ in Einbeck. Sechs neue Kollegen mit Flüchtlingshintergrund aus Afghanistan, Irak, Syrien und Kosovo werden beruflich integriert. Erfahrene KWS-Beschäftigte begleiten ihre neuen Kollegen, zusätzlich bietet KWS für die neuen Mitarbeiter eine Integrationssprechstunde an.  

Marie Theres Schnell
Marie Theres Schnell, geboren 1976, hat nach dem Abitur in Salzburg und Göteborg Kommunikationswissenschaften studiert, bevor sie 2007 in Zürich promovierte. Berufliche Erfahrungen sammelte sie als Vorstandsreferentin eines großes digitalen Verlagshauses und als Trainee in der Lebensmittelindustrie in Spanien. Anschließend war sie als freie Medienberaterin tätig. Außerdem konnte sie Erfahrungen in Unternehmen der Arend-Oetker-Gruppe sammeln, unter anderem in verschiedenen Gesellschafterorganen. „Verwurzelt in einer traditionsreichen Unternehmerfamilie bringt sie Erfahrung, Verantwortungsbewusstein, Weitblick und Augenmaß mit“, sagt KWS-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Büchting über die älteste Tochter von Arend Oetker.   

Arend Oetker
Arend Oetker, geboren 1939, wuchs auf Gut Hornoldendorf bei Detmold in Ostwestfalen auf. Der Urenkel des Bielefelder Backpulver-Königs Dr. August Oetker ist Betriebswirt und promovierter Politikwissenschaftler. Er sanierte die ererbten Unternehmen seiner Mutter Ursula Oetker, unter anderem die Schwartauer Marmeladenwerke. Oetker gilt seit mehr als 20 Jahren im Verbund mit den Gründerfamilien als Garant für die Unabhängigkeit von KWS. 1994 erwarb Arend Oetker 20 Prozent der Anteile von KWS und brachte sie verbindlich in den bestehenden Pool der verbliebenen Familienaktionäre Büchting und Giesecke ein, der damit wieder über eine Mehrheit der Aktien verfügte. Zuvor hatten im Jahr 1983 Teile der Gründerfamilien 25 Prozent der Anteile an die Südzucker AG und eine Tochterfirma verkauft und damit für eine jahrelange instabile Aktionärsstruktur gesorgt.

 

 


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