[04.01.2012, fb] Für die Menschen der Einbecker Ortschaften „Auf dem Berge“ ist die geplante 380 kV-Höchstspannungsleitung plötzlich und unvermittelt sehr nahe gekommen. Denn in dem vor Weihnachten abgeschlossenen Raumordnungsverfahren taucht eine so genannte Maßgabe 7 auf. Sie besagt, dass die Höchstspannungstrasse als Freileitung mit Masten doppelt so hoch wie der Gandersheimer Dom direkt von Heckenbeck über Erzhausen und Naensen über Hallensen nach Einbeck und dann weiter nach Süden führen könnte. Bisher war ein Trassenverlauf durchs Leinetal von Kreiensen nach Einbeck im Gespräch. Die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel Harzvorland“ informierte am Dienstag Abend über 100 Interessierte in der Turnhalle in Naensen. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren, damit sie wissen, was auf sie zukommen kann“, sagte der Vorsitzende Peter Gosslar (Bad Gandersheim). „Noch ist nichts entschieden.“
Die 380-kV-Leitung von Wahle (bei Peine) nach Mecklar (Hessen) ist seit 2007 Thema. Mit fünf Trassenvarianten, wo die Höchstspannungsleitung langführen könnte, wurde das Raumordnungsverfahren (ROV) durchgeführt. Die Bürgerinitiativen verschafften sich dabei Gehör; durch den nach unten zeigenden leuchtend gelben Pfeil machen sie seit vielen Monaten in der Region aufmerksam auf ihren Wunsch nach einer Erdverkabelung in der modernen so genannten HGÜ-Technik. Das ROV wurde vor Weihnachten abgeschlossen, in den nächsten Wochen liegt das Ergebnis öffentlich zur Einsicht für jeden Interessierten aus. Für die Region gilt als Freileitung die Vorzugstrasse 2, die über Bad Gandersheim, Kreiensen, Einbeck nach Süden führt. Und eben die „Maßgabe 7“. Diese besagt: „Zu prüfen ist, ob im Bereich des Pumpspeicherwerks Erzhausen (Gemeinde Kreiensen) und der Stadt Einbeck, Ortsteil Naensen durch eine Querspange von der Variante 2 nördlich von Heckenbeck zur Variante 4 nördlich von Hallensen die Belastungen im Raum Bad Gandersheim/ Kreiensen/ Einbeck angemessen verringert werden können.“
„Bürger Pro Erdkabel“ hat die möglichen Wege zwischen Erzhausen und Einbeck in mehreren Varianten vermutend ausgerechnet. So könnte die Trasse nördlich von Naensen auf die bestehende 220-kV-Trasse angebunden und auf dieser ausgebaut nach Süden geführt werden. Das könnte bedeuten, dass auch Einbeck noch viel stärker als ursprünglich gedacht von den 380-kV-Masten betroffen sein könnte, denn die bestehende Leitung führt direkt über das Industriegebiet am Butterberg in der Südstadt.
Der stellvertretende Vorsitzende Reinhard Brinckmann (Billerbeck) sagte in Naensen, dass auf jeden Fall im noch folgenden Planfeststellungsverfahren die unmittelbar Betroffenen gegen die „Monstermasten“ klagen könnten, also diejenigen, auf deren Grund und Boden die Strommasten aufgestellt werden sollen.
Mehr zum Thema:
www.abindieerde.de Hier informiert die als Verein organisierte Bürgerinitiative mit derzeit 130 Mitgliedern über alle aktuellen Pläne und Entwicklungen und viele technische Details.
www.ml.niedersachsen.de Hier informiert das zuständige Landesministerium über alle Einzelheiten des abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens. Mit vielen Karten und Details. Die Unterlagen liegen vom 5.1. bis 6.2.2012 auch im Neuen Rathaus in Einbeck aus.