Archäologie-Ausgrabung: „Kugenhusen“ war deutlich größer


Stadtarchäologe Markus Wehmer am Weinberg, im Hintergrund Verfärbungen in der Erde, die auf einen Befund schließen lassen.

Stadtarchäologe Markus Wehmer am Weinberg, im Hintergrund Verfärbungen in der Erde, die auf einen Befund schließen lassen.

Spuren eines Töpferofens aus dem 12./13. Jahrhundert sind durch die Erdverfärbung erkennbar: Stadtarchäologe Markus Wehmer am Weinberg in Einbeck. Fotos: fb Frank Bertram

Spuren eines Töpferofens aus dem 12./13. Jahrhundert sind durch die Erdverfärbung erkennbar: Stadtarchäologe Markus Wehmer am Weinberg in Einbeck. Fotos: fb Frank Bertram

Alle Funde werden sorgfältig dokumentiert, wenn sie freigelegt sind.

Alle Funde werden sorgfältig dokumentiert, wenn sie freigelegt sind.

Zahlreiche Scherben hat der Archäologe am Weinberg bereits gefunden, Zeugen einer mittelalterlichen Töpferwerkstatt.

Zahlreiche Scherben hat der Archäologe am Weinberg bereits gefunden, Zeugen einer mittelalterlichen Töpferwerkstatt.

08.04.2017, fb. Bei seiner ersten größeren Ausgrabung in Einbeck haben bereits die bisherigen Ergebnisse die Erwartungen des neuen Stadtarchäologen übertroffen: 56 archäologische Befunde hat Markus Wehmer bislang am Weinberg sichern können. Darunter sind nicht nur die Reste mehrerer Grubenhäuser und Töpferöfen aus dem Hochmittelalter, sondern auch Vorratsgruben aus der Eisenzeit und Hinweise auf ein durch seine Pfosten-Reste rekonstruierbares Langhaus aus der Jungsteinzeit – es wäre das erste in dieser Gegend.

Wehmer hat auf dem Areal die Chance zu Voruntersuchungen bekommen, weil am Weinberg ein neues Baugebiet erschlossen werden soll, und hatte dafür mehrere Suchschnitte in den Acker unterhalb der Pflugschicht baggern lassen. Der Stadtarchäologe wird in diesen mehrere Meter breiten und rund 50 Zentimeter tiefen Schnitten in den nächsten Tagen noch weiterarbeiten, die Funde dokumentieren und auswerten. Wann das Gelände zum Baugebiet werden soll, ist noch nicht entschieden.

Die ersten Funde von Überresten der Grubenhäuser und Töpferöfen haben Wehmers Vermutung bestätigt, dass die bereits in den 1990-er Jahren in unmittelbarer Nähe nachgewiesene Wüstung „Kugenhusen“ mit einer Töpfereiwerkstatt aus dem 12. Jahrhundert deutlich größer war, wahrscheinlich doppelt so groß. Mehr als 80 Meter von den bekannten Funden am Negenborner Weg haben sich nun Bodenverfärbungen und zahlreiche Keramik-Scherben finden lassen, die unter anderem drei weitere Töpferöfen aus dem 12. Jahrhundert belegen. Die dunkle Färbung stammt von der Holzkohle, die anderen Färbungen deuten auf Reste gebrannter Ziegeln hin. Über „eimerweise Keramikfunde“ freut sich der Einbecker Stadtarchäologe.

Und auch schon in früheren Zeiten war das Gebiet am Weinberg offenbar eine beliebte Siedlungsfläche. In die Eisenzeit (800 bis 400 vor Christus) datiert Markus Wehmer Überreste von Vorratsgruben. Pfosten in Dreierreihen, deren Reste als Erdverfärbungen erkennbar sind, lassen auf ein Langhaus aus der Jungsteinzeit (5300 vor Christus) schließen, erläutert der Stadtarchäologe. In solchen Häusern haben die ersten Bauern in der Region gelebt, Hinweise auf diese Kultur in der Gegend gab es bislang nicht. Wichtig für eine Ansiedlung seien guter Löss-Boden, Südhanglage und Wasser in der Nähe gewesen, alles sei am Weinberg vorhanden, sagt Wehmer. Weitere Ausgrabungen wären notwendig, um die ersten gegrabenen Befunde zu bestätigen und zu untermauern.


Weitere News