Notruf: Bei 112 jetzt noch mehr Hilfe möglich


In der Einsatzleitstelle v.l. Dr. Bodo Lenkewitz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Landrat Michael Wickmann, Fachbereichsleiter Peter Ahrens und Kai Reichelt, Leiter der Einsatzleitstelle. Foto: Landkreis Northeim

In der Einsatzleitstelle v.l. Dr. Bodo Lenkewitz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Landrat Michael Wickmann, Fachbereichsleiter Peter Ahrens und Kai Reichelt, Leiter der Einsatzleitstelle. Foto: Landkreis Northeim

[31.01.2012, fb] Wer im Landkreis einen Notruf absetzt und die 112 wählt, bekommt jetzt von der Einsatzleitstelle zusätzliche Hilfe. Die Disponenten schicken nicht nur sofort den Notarzt und den Rettungswagen los, sondern sie unterstützen den Anrufer, indem sie ihn beispielsweise bei einer Herzdruckmassage anleiten. "Unser Ziel ist die zwangsläufig zwischen Alarmierung und Eintreffen vor Ort existierende Lücke in der Rettungskette zu schließen und häufig überlebenswichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen sofort einzuleiten", erklärte Dr. Bodo Lenkewitz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landkreises Northeim.

Er macht zugleich deutlich, wie wichtig es sein kann, einem Sauerstoffmangel im Gehirn durch Herzdruckmassage entgegen zu wirken. "Mindestens in einem Fall konnten wir seit Projektbeginn schon dazu beitragen, dass das Leben eines Menschen gerettet werden konnte." Wichtig sei, den Hilfeleistenden klar zu machen, dass man gerade bei der Herzdruckmassage nichts falsch machen könne, "denn was sind im Zweifel schon ein paar Rippenbrüche im Vergleich zu bleibenden Gehirnschäden oder dem Ableben eines Menschen", sagte Dr. Lenkewitz.

Der Landkreis Northeim beteiligt sich seit Jahresbeginn an einem Pilotprojekt, welches zur einer noch besseren und schnelleren Vorsorgung von Notfallpatienten beitragen soll. Basis ist ein schriftlich fixiertes, klares und strukturiertes Abfrageschema, die so genannte strukturierte Notrufabfrage. Diese soll den Disponenten in der Einsatzleitstelle in die Lage versetzen, dem Anrufer Erste-Hilfe-Anweisungen zu geben, ohne das Notfallgespräch zu unterbrechen. Neben dem Landkreis Northeim sind an dem Pilotprojekt noch Stadt und Region Hannover sowie der Landkreis Emsland und die Stadt Hildeheim beteiligt. Nach Beendigung der Pilotphase Ende 2012 soll entschieden werden, ob die strukturierte Notfallabfrage niedersachsenweit eingeführt wird.

Nach Auffassung von Dr. Bodo Lenkewitz bedeutet die Projektdurchführung geradezu zu einen Paradigmenwechsel, weil die Disponenten zusätzlich zur reinen Einsatzplanung nun zum medizinischen Dienstleister werden.
"Wir begleiten und unterstützen die Anrufer bis zur Übernahme durch die Rettungskräfte vor Ort", erklärt Kai Reichelt, Leiter der Einsatzleitstelle. Dabei gehe es nicht nur darum Herzdruckmassagen telefonisch anzuleiten, eine Vielzahl anderer Maßnahmen sei möglich. Von der Kühlung im Falle von Verbrennungen, Maßnahmen zur Blutstillung, bei Atemnot, Insektenstichen, Verätzungen und Derartigem mehr seien denkbar. Je nach Einzelfall würden die notwendigen Hinweise telefonisch gegeben und begleitet.

Vor Projektbeginn wurden die Mitarbeiter der Einsatzleitstelle geschult und auf die neue Situation vorbereitet. Besetzt ist die Einsatzleitstelle im Schichtdienst rund um die Uhr mit jeweils zwei Disponenten. Im Jahr 2011 sind in der Einsatzleitstelle über 24.000 Notrufe aufgelaufen. Insgesamt beschäftigt der Landkreis Northeim elf Disponenten, die allesamt die Ausbildung zum Rettungsassistenten haben und zusätzlich die Qualifikation zum Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr aufweisen.

(Mit Landkreis-Pressedienst)


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