Jetzt ist es soweit. Sparen ist angesagt. Das geht auf unterschiedliche Weise. Flauschige 22 Grad im Saal? Nicht notwendig. 18 Grad tun es auch, sagen sich manche Veranstalter und drehen das Thermostat herunter. Andere sparen beim Licht und finden es sowieso gemütlicher, wenn es so schummrig ist, dass man kaum noch lesen, geschweige denn schreiben kann. Wieder andere bieten keine Kaltgetränke, selbst wenn die Sitzung fünf Stunden dauert.
Wie man auch sparen kann, zeigen auf dem Foto diese drei Männer im besten Alter. Sie sind Landräte. Aus Göttingen, Northeim und Osterode. Okay, der eine ist kein richtiger Landrat, er füllt den Job nur aus, weil der bisherige Landrat jetzt in Göttingen arbeitet. Als Landrat. Und nun für Göttingen in die Pedale tritt. Wir wollen jetzt nicht davon reden, dass in den nächsten Jahren mindestens einer der drei vom Rad fällt, weil die Landkreise fusionieren und ein Landrat pro Landkreis nun mal ausreicht.
Gemeinsam haben die drei am Montag in Krebeck den „Startschuss“ für den Wettbewerb „Unser Dorf spart Strom“ gegeben. Symbolisch machten sie beim Strom sparen den Anfang und trugen mit eigener Muskelkraft auf Fahrrädern zur Beleuchtung des voll besetzten Bürgerhauses bei, wie die Organisatoren stolz vermeldeten. Wieviel Spaß das den drei Männern machte, kann der geneigte Betrachter auf dem Foto erkennen.
Alle Dörfer mit einer Einwohnerzahl zwischen 100 und 1500 können sich bewerben. Der Ort mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Verbrauch gewinnt eine Photovoltaikanlage fürs Dorfgemeinschaftshaus. Erfasst wird für den Wettbewerb der Stromverbrauch für den Zeitraum von sechs Monaten, und zwar von Mitte bis Ende dieses Jahres. Was das bedeutet, ist sonnenklar: Im nächsten Herbst, wenn es wieder früher dunkel wird, werden in allen Dörfern abends keine Veranstaltungen mehr in Gemeinschaftshäusern oder ähnlichen Räumen stattfinden. Denn das Dorf muss ja Strom sparen. Es sei denn, die drei Landräte touren durch die Region und geben als Nebenjob alles, wenn sie sich abstrampeln wie auf dem Bild.
Oder aber Veranstalter kommen vielleicht noch auf den Gedanken, dass die Journalisten in die Pedale treten müssen, wenn sie ihren Laptop an die Steckdose anschließen wollen. Stromstrampler könnte auch eine ganz neue Geschäftsidee werden. Nicht nur für vom Rad gefallene Landräte. Dadurch wäre jeder Ort wieder autark. Und dann ist auch egal, ob die Energiehändler so sehr zocken, wie sie das dieser Tage getan haben, dass beinahe die gesamte deutsche Stromversorgung im Dunkeln gelegen hätte.
Wir haben ja unsere eigenen Stromproduzenten. Ein bisschen müssen Sie noch treten, Herr Landrat, ich muss diesen Text noch abspeichern.
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