
Stadtentwicklung und Ansiedlungsprojekte treffen in der Einbecker Bevölkerung auf großes Interesse. Das ist nicht neu. Offenbar hat das Interesse aber dennoch einige, unter anderem in der Stadtverwaltung, völlig überrascht. Wie anders ist es zu erklären, dass bei der jüngsten Ausschusssitzung für Stadtentwicklung nicht etwa ein größerer Raum, die Rathaushalle gar, sondern wie immer der für Besucher wenig Platz bietende Sitzungssaal des Alten Rathauses genutzt wurde? Es kam also, wie es angesichts der angesetzten Mega-Themen zur Stadtentwicklung kommen musste. Schon eine Viertelstunde vor Sitzungsstart war fast kein Platz mehr frei, zweite und dritte Stuhlreihen mussten in den engen Raum gestellt werden, damit alle sich über Poser-Gelände, Neustädter Kirchplatz und Möncheplatz aus erster Hand informieren konnten. Bürgerfreundlich war das nicht. Mindestens ein Besucher ist auch angesichts des überfüllten Raumes wieder gegangen. Und die Äußerung eines Investors im Ausschuss über eine „Entfluchtung des Gebäudes“ bekam eine ganz andere, bizarre Dimension.
Ich denke, wir haben im Ausschuss die letzten Zuckungen von Plänen zur Bebauung des Möncheplatzes erlebt. Zwar mochte sich die SPD als letzte Fraktion am liebsten noch ein kleines Hintertürchen offen lassen, letzlich stimmte aber auch sie dafür, das Planungsverfahren für ein Gebäude auf dem Platz de facto einzustellen. Dass das Verfahren offiziell nur ruht, hat etwas damit zu tun, dass mit dem Möncheplatz natürlich etwas passieren muss. Aber eben keine Bebauung durch ein Gebäude. Zu einer Stadt gehören Straßen, Häuser und eben auch Plätze. Keine neue Erkenntnis, aber trotzdem wahr.
Dafür, dass das Thema Neustädter Kirchplatz erstmals in einem politischen Gremium zur Sprache kam, wirkte die Präsentation durch den Investor SEPA eigentümlich dünn. Wer ist SEPA? Was treibt SEPA? All das mussten Ratsherrn mühsam nachfragen oder selbst recherchieren. Und ob es wirklich bei 3000 neuen Quadratmetern Verkaufsfläche ohne zusätzliche Parkplätze geht und eine „Revitalisierung“ des nahen Parkhauses ausreicht, ist in der Tat offen und muss geprüft werden. Eine Idee, die es in jedem Fall dringend zu überdenken gilt, ist der Vorschlag der SEPA, das Parkhaus von Westen aus über die Hägermauer auszuschildern und anzufahren. Mit Ortskenntnissen weiß man, dass die Straße dort sehr eng ist und regelmäßig die Brauerei-Lkw rangieren müssen, um aufs Gelände zu kommen. Und dazwischen dann die potenziellen Besucher eines Einkaufsmagneten?
Das Ansiedlungsprojekt auf dem Poser-Geländes indes scheint im Plan zu sein, nennenswerte Kritik blieb in dieser Woche aus. Okay, es ging „nur“ um das Verkehrskonzept für das Areal im Westen der Stadt, die eigentliche inhaltliche Debatte wird am 28. Februar in der nächsten Ausschusssitzung erwartet (dann hoffentlich in einem größeren Raum). Aber hatte nicht die GfE erst jüngst eine andere Verkehrsanbindung über die Markoldendorfer Straße angemahnt? Fragen dazu im Ausschuss? Fehlanzeige. Schade. Stattdessen einstimmig, also mit GfE-Votum, alles beschlossen. Das Verkehrskonzept jedenfalls macht deutlich, dass die Innenstadt keine nennenswerte „Verkehrsmehrbelastung“ durch die Kunden der Neuansiedlung haben wird. Mit anderen Worten: Wer dort einkauft, lässt die Innenstadt links liegen? Das wäre eine Aussage, die man sich merken sollte.