Vom Licht in der Mitte des Tunnels


Was will uns der Künstler damit sagen? In diesem Fall blicken wir hier auf das Werk eines Bürgermeisters. Die Gemeinde Kreiensen ist sein Gebiet. Diese gehört ja bald zu Einbeck. Womit, so sagen Spötter, Einbeck endlich nach über 100 Jahren seinen richtigen Bahnhof bekommt. Doch wir schweifen ab: Was will uns der Bürgermeister mit seinem Bild vom Tunnel und dem Lichteinfall sagen? Das Opus magnum ziert die Titelseite seines politischen Vermächtnisses, Verzeihung, die seiner Bilanz seines letzten Regierungsjahres.

Fragen wir doch einfach den Künstler selbst. „Nicht nur am Ende des Tunnels sehen wir Licht, sondern schon 2013. Und am Ende des Tunnels ist es dann ganz hell.“ Nun ist es ja immer so eine Sache, wenn Künstler die eigenen Bilder erläutern sollen. Ein Bild spricht schließlich für sich selbst. Ein gutes jedenfalls. Dass das Bürgermeister-Bild ein Gutes ist, steht außer Zweifel. Und die Interpretation liegt im Auge des Beschauers.

Versuchen wir uns also an einer Auslegung des Licht-und-Schatten-Werkes aus Kreiensen. In diesem Jahr, 2012, ist es dort noch verhältnismäßig düster. Der Haushalt in Kreiensen wird ein Loch von einer Million Euro haben. Im nächsten Jahr dann, 2013, scheint die Sonne auf die neue Gemeinde Einbeck inkl. Kreiensen. Geld ist wieder vorhanden. Doch, oh weh, es wird wieder dunkel? 2014? Erst 2015 also, nach der Fusion mit Dassel, scheint wieder das Licht auf die Gemeinde. Und dann, wenn wir das Bildnis gleichsam weiter deuten, wird’s wieder düster, erst nach der weiteren Fusion mit Bad Gandersheim wird es erneut hell. Oh Schreck, danach ist eine weitere dunkle Phase zu überstehen, länger als alle vorherigen Düsternisse, bis es dann am Ende des Ganges richtig hell wird. Das kann nur eines bedeuten: die neue Großgemeinde Einbeck ist mit Northeim fusioniert, heißt weiterhin Einbeck und hat nun auch noch einen weiteren Intercity-Bahnhof.

Der Worte sind genug gewechselt. Oder um es mit Brecht zu sagen: „Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“


Der Autor

Frank Bertram ist seit 14 Jahren als Journalist in der Region tätig. Er kennt die aktuellen Themen, weiß um die Probleme und beleuchtet Ereignisse und Strukturen kritisch - "mit spitzer Feder" eben. Jede Woche schreibt er in seiner Kolumne bei Einbeck-City.de über das, was Thema ist. Oder er nimmt die Dinge des täglichen Lebens augenzwinkernd unter die Lupe.