2019: Glöckner, Zauberer, Hair, Piaf und Marlene
02.08.2018, fb – Unterhaltung

Nach einer der erfolgreichsten Spielzeiten in der 60-jährigen Theatergeschichte vor der Stiftskirche nehmen die Gandersheimer Domfestspiele wenige Tage vor dem Ende der Jubiläumssaison den nächsten Sommer bereits fest in den Blick. Ob dann wieder "Verona-Wetter", wie Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz die sommerliche Unterstützung für die Steigerung auf 55.000 Besucher nannte, den Theatermachern hold sein wird? Intendant Achim Lenz jedenfalls, seit diesem Sommer künstlerischer Leiter quasi auf Lebenszeit in Bad Gandersheim, hat bei seinem Publikum ausgemacht, dass es auch in der 61. Spielzeit hungrig auf authentisches Sommertheater ist. "Zeig mir mehr" heißt dann auch das Motto 2019, unter dem vom 16. Juni bis 11. August wieder vier Hauptstücke vor dem Domportal zu sehen sein werden: Hair, "Der Glöckner von Notre Dame", "Der Zauberer von Oz" und "Spatz und Engel - Die Geschichte der Freundschaft zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich". Der Vorverkauf startet am 9. November.

Das Hippie-Tanz-Musical "Hair" inszenierte zuletzt 1999 Intendant Georg Immelmann vor dem Dom. Im Jahr 2000 gab es letztmals den "Glöckner von Notre Dame" vor der Stiftskirche zu sehen. Und auch das Familienstück "Zauberer von Oz" hat das Publikum in Bad Gandersheim bereits erleben können, 2008 von Intendant Johannes Klaus inszeniert. Aber die 2019-er Inszenierungen werden neue Impulse geben, beim Glöckner beispielsweise sollen die Vertikaltänzer aus dem diesjährigen "Jedermann" wieder an der Kirchenfassade klettern und für spektakuläre Akrobatikeinlagen sorgen, wenn die Stiftskirche zur Notre Dame wird. Ein neues Theaterstück mit viel Musik, mit komischen wie tragischen und berührenden Momenten, wird "Spatz und Engel", die Inszenierung der Freundschaft zwischen zwei Legenden, zwei Diven und Chanteusen: Edith Piaf und Marlene Dietrich.

Es wird extrem schwer, den 2018-er Erfolg zu toppen, noch mehr zu zeigen, wie es das Motto verspricht. Nur drei Vorstellungen konnten nicht gespielt werden in diesem Jahr (zwei Regen-Abbrüche, an einem Abend erlaubte der Regen erst gar kein Spiel). 58 Vorstellungen sind über die Bühne gegangen, mehr als 80 Prozent beträgt die durchschnittliche Auslastung, beim Musical "Fame" 100 Prozent und beim "Jedermann" beachtliche 73 Prozent, unterm Strich etwa 47.000 Karten sind verkauft, mit Rahmenprogramm ergibt das rund 55.000 Gäste, noch mal 3000 mehr als im Vorjahr.

Achim Lenz geht es an, wird sein neues Ensemble für nächstes Jahr zusammenstellen und mit Geschichten die Menschen begeistern wollen. Nach zweijähriger intensiver Suche und unzähligen Gesprächen können die Schauspieler ab 2019 in einem festen Probenzentrum die vier Produktionen einstudieren, ein lang gehegter Wunsch geht damit in Erfüllung. Die Domfestspiele gGmbH wird im nächsten Frühjahr ein dann saniertes Gebäude in der Neuen Straße erwerben und finanzieren können, heute eine Halle in einem Gewerbegebiet. Sponsoren werden bei der Inneneinrichtung helfen, ist Aufsichtsratschef Uwe Schwarz zufrieden, eine der großen Unsicherheiten und Baustellen für erfolgreiches Freilichttheater mit eigenem Ensemble mit einem 1,5 Millionen-Euro-Etat (zum Vergleich: Bad Hersfeld hat sechs Millionen Euro im Etat) abgeräumt zu haben.

Der zuende gehende Theatersommer in Bad Gandersheim war ein "voller Erfolg auf extrem vielen Ebenen", sagte Intendant Achim Lenz. Die guten Zahlen allein auf das gute Wetter zurück zu führen, greift zu kurz. "Ich habe nur Begeisterung gehört in diesem Jahr", freut sich Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz. Überall in der Stadt und darüber hinaus habe man über die sechs Inszenierungen der Domfestspiele gesprochen, ergänzt ihr Mann Uwe Schwarz. Das frühe Aus der Fußballer bei der WM habe den Festspielen in die Hände gespielt. Und natürlich das "Verona-Wetter". Sommer an fast allen Abenden habe vor allem die Abendkasse belebt. So viele Menschen mit selbst gemalten Schildern "Karte gesucht" wie heuer hat man wohl selten vor den Eingängen zu Niedersachsens größtem Freilichttheater gesehen.

Frank Bertram