Ausstellung zeigt Arbeiten der Alexandri-Sommerakademie
20.06.2017, fb – Wirtschaft, Sonstiges, Unterhaltung, Freizeit

Im Lutherjahr „500 Jahre Reformation“ hatte die St. Alexandri Stiftung in Einbeck erstmals eine künstlerische Sommerakademie organisiert. Unter dem Motto „Standpunkte – Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ nutzten 14 Teilnehmer aus der Region im Alter zwischen 16 und 70 Jahren die Zeit eines kreativen, konzentrierten Wochenendes über Pfingsten, als künstlerische Laien unter professioneller Anleitung neue Techniken kennenzulernen und sich mit Inhalten und Themen auseinanderzusetzen. Die Idee für die Sommerakademie stammt von Kuratoriumsmitglied und Grafik-Designerin Kirsten Gattermann, die diese Form aus ihrem Studium an der Kunsthochschule Hamburg kennt. Die entstandenen Radierungen, Zeichnungen und Malerei-Arbeiten der Teilnehmer sind noch bis zum 29. Juli in der KWS Art Lounge NEWCOMER in der Tiedexer Straße 20 a/b und den Räumen der Einbecker Kulturbüros am Möncheplatz 1 ausgestellt. Den Auftakt bildete eine Vernissage in beiden Ausstellungsräumen, die Andreas Jäger musikalisch begleitete.

Die Sommerakademie in der ehemaligen Superintendentur am Stiftplatz in Einbeck mit dem Garten hinter der großen Freitreppe war für die Teilnehmer idyllischer Entspannungs- und Kreativort gleichermaßen. Gearbeitet wurde in kleinen Gruppen, es gab gemeinsame Mahlzeiten, Raum für Gespräche und Inspiration oder einfach Zeit, die Kunst und den Sommer zu genießen. Erfahrene Dozenten betreuten die Teilnehmer. Norbert Helmer aus Amelsen, Jahrzehnte Kunstlehrer an der Paul-Gerhardt-Schule Dassel, leitete bei Radierungen und Druckgrafiken schnell zu Ergebnissen mit der Radiernadel und der Kunststoffplatte, mit Druckwalze und Tiefdruckpapier an. Konrad Mätzig (Avendshausen) bot das Zeichnen an. Jobst Tilmann (Hannover) brachte den Teilnehmern die „Malerei vom Nullpunkt aus“ bei, den abstrakten Auftrag von Farbe auf einen Träger, ein Papier, eine Leinwand.

Teilnehmerin Kerstin Arndt schilderte bei der Vernissage im Gespräch mit Dr. Henning von der Ohe, wie für ihre Bilder die Farben kraftvoll auf die Leinwand kamen: „Es begann bei Jobst Tilmann damit, dass wir den Kopf ausschalten sollten, um mit verschiedenen Materialien wie Wischmopp, Spachtel und Klobürste Farben auf einen Bildträger aufzubringen. Wir haben zunächst angefangen willkürlich zu malen, dann unsere Werke analysiert, um einen Blick zu bekommen, was abstrakte Kunst heißt, später erfahren, wie wir einzelne Ebenen und Farbstufen noch herausarbeiten können. Ich habe die Leidenschaft zum Spachtel entwickelt, deshalb sind es sehr geradlinige Bilder geworden. Es war auf jeden Fall eine sehr tolle Erfahrung.“

Porzellanmalerin Brigitte Kesten aus Einbeck, die selbst schon Malkurse gegeben hat, fand es als Teilnehmerin spannend, in einer Gruppe mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten. „Ich wollte mich anderen Techniken zuwenden – und auch, wenn ich am Ende bei Konrad Mätzig wieder Stilleben gezeichnet habe, hat es mir riesig Spaß gemacht.“

Teilnehmer Peter Mackenrodt hat während der Sommerakademie nicht nur die Technik, sondern auch das Werkzeug gewechselt. Nachdem er zunächst beim Dozenten Norbert Helmer mehrere Radierungen gefertigt hat, wechselte er zur Malerei bei Jobst Tilmann und dort vom Pinsel zu einer Klobürste, um die Farbe fröhlich aufzutragen – und ohne sich dabei vorher etwas zu denken, wie er berichtete.

Standpunkte lautete das Motto der Sommerakademie – wie bei Martin Luther sei es für einen Künstler wichtig, sich treu und authentisch zu bleiben, sich nicht dem Mainstream zu unterwerfen, sagte Günter Dietzek für das Kuratorium der St. Alexandri Stiftung bei der Vernissage. „Der Künstler schafft mit Neuem Verwirrung und darf häufig für sich in Anspruch nehmen, nicht angepasst zu sein.“ Ein Standpunkt sollte nicht etwas sein, auf dem man ständig stehen bleibe, sagte Dietzek. „Standpunkte sind reflektierte Positionen, die das Recht und die Notwendigkeit beinhalten, in bestimmten Zeitzyklen überdacht zu werden.“ Und es gebe zu einer Position meistens mehrere Standpunkte. Diesen zu vertreten, bedeute in einen Dialog zu treten.