Ausstellung "Zeitzeugenpatenschaften" im Alten Rathaus
25.03.2017, fb – Sonstiges, Politik

Sieben Lebensgeschichten von Überlebenden des Holocaust präsentiert die Ausstellung „Zeitzeugenpatenschaften“, die bis zum 31. März im Alten Rathaus in Einbeck zu sehen ist. Nicht allein auf 14 Ausstellungstafeln ist der Lebensweg der Frauen und Männer dokumentiert. In aufbereiteten und in der Ausstellung gezeigten Videointerviews werden die Schicksale von Menschen lebendig, die von der nationalsozialistischen Terror- und Vernichtungspolitik betroffen waren. „Die Erinnerung muss lebendig gehalten werden – gerade heute“, sagte die stellvertretende Landrätin Gudrun Borchers bei der Eröffnung. „Der Staffelstab der Erinnerung muss weitergeben werden“, ergänzte der stellvertretende Bürgermeister Albert Thormann. Eine der Zeitzeuginnen, Rozette Kats, war jüngst in der KGS Moringen zu Gast und berichtete dort Schülern über ihr Leben. „Ich wusste, dass meine Eltern jüdisch waren und ich dadurch auch, aber was das bedeutete wusste ich damals nicht“, berichtet Kats in der Ausstellung, „das war etwas, an dem man starb“.

Acht Jugendliche haben 2014 im Rahmen des Projekts „Zeitzeugenpatenschaften“ die Lebensgeschichten von Esther Bejarano, Doris Grozdanovicova, Fruma Kucinskiene, Rozette Kats, Ernesto Koch, Wilhelm Brasse und Franz Rosenbach zusammengetragen. Dafür konnten sie auf das Archiv des Alternativen Jugendzentrums Dessau zurückgreifen, in dem die Zeugnisse von insgesamt 127 Überlebenden des Holocaust bewahrt werden. Die Ausstellung vermittelt ein Spektrum von Verfolgungshintergründen – von politischen bis zu rassistischen Motiven. Die Porträtierten waren zur Zeit des Zweiten Weltkrieges selbst Kinder oder junge Erwachsene.

Die Organisation der Ausstellung hat der Verein „Kultur im Esel“ übernommen, der vom Lokalen Aktionsplan im Landkreis Northeim (LAP), vom Alternativen Jugendzentrum Dessau und von der Kreisjugendpflege Northeim unterstützt wird. „Rassismus und Antisemitismus sind heute wieder salonfähig geworden“, sagt Silke Doepner vom LAP. „Unsere Demokratie steht unter starkem Druck, das legt nahe, uns zu positionieren.“

Der Eintritt in die Ausstellung „Zeitzeugenpatenschaften“ im Alten Rathaus in Einbeck ist frei. Öffnungszeiten bis 31. März: Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Montag bis Mittwoch von 8.30 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8.30 bis 18 Uhr und Freitags von 8.30 bis 12 Uhr.