Baustart für 380-kV-Stromleitung
27.03.2018, fb – Wirtschaft, Politik

Die Bauarbeiten für die 380-kV-Höchstspannungsleitung haben begonnen: Unweit von Gut Pinkler bei Einbeck hat Netzbetreiber Tennet mit den ersten Rammstößen das Ausbauvorhaben heute gestartet. Bis Ende Juli sollen insgesamt elf Masten für die Stromtrasse in Richtung Süden gebaut sein, berichteten der Tennet-Gesamtprojektleiter Dr. Peter Volkholz und der Bauprojektleiter Frank Imsande auf der Baustelle. Der gesamte, 50 Kilometer lange Bauabschnitt zwischen den Umspannwerken Lamspringe und Hardegsen wird 125 Masten umfassen, die im Abstand von 350 bis 400 Metern stehen und jeweils zwei Traversen haben werden.

Für das Fundament des ersten Mastes, der 51,6 Meter hoch sein wird, werden vier Pfähle jeweils 17 Meter tief in die Erde getrieben. Dafür werden Rohre zusammengeschweißt, die einen Durchmesser von einem Meter haben. Bei der Ramm-Pfahlgründung gebe es nur einen minimalen Bodeneingriff, betonten die Tennet-Vertreter. Voraussichtlich im Mai soll der erste Mast stehen.

Den Start der insgesamt zwischen Wahle bei Peine und dem nordhessischen Mecklar 230 Kilometer langen 380-kV-Wechselstromleitung hat Tennet nach eigenen Angaben deshalb bei Einbeck vorgenommen, weil nach entsprechenden Baugrund-Untersuchungen dort auf freier Fläche einfacher zu planen und beispielsweise zuvor keine Rodungen erfolgen mussten. Auch die Zustimmung durch die Grundstückeigentümer sei hier leichter einzuholen gewesen, eine Vereinbarung mit dem Landvolk habe dabei zudem geholfen, sagte Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht.

Die Bürgerinitiative Pro Erdkabel Einbeck hatte es als "Kampfansage" verstanden, dass ausgerechnet unweit von Einbeck und Edemissen mit der 380-kV-Freileitung begonnen wird. Man werde den Kampf fortsetzen, kündigte Sprecher Helmar Breuker an. Die BI für HGÜ-Erdkabel Bad Gandersheim-Kreiensen hingegen beendete mit dem Baubeginn ihren Widerstand, wie Sprecher Peter Gosslar erklärte. Der gelbe Pfeil, seit zehn Jahren Widerstandssymbol, werde aus der Landschaft verschwinden.

Die neue 380-kV-Leitung verläuft im Abschnitt südlich von Einbeck unweit der alten, aus dem Jahr 1929 stammenden 220-kV-Freileitung mit ihren 40 Meter hohen Stahlmasten. Diese Leitung soll laut Tennet dann abgebaut werden, sobald die neue Leitung steht und Ende 2021 in Betrieb geht.

Tennet beginnt mit dem Bau der Trasse, obwohl vier Klagen gegen den Trassenverlauf vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig anhängig sind, weil diese keine aufschiebende Wirkung haben und Tennet mit dem gültigen Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt zwischen Lamspringe und Hardegsen einen gesetzlichen Auftrag hat zu bauen, wie Tennet-Sprecher Lieberknecht erklärte. Unter anderem klagt die Stadt Einbeck.

Das Gesamtprojekt Wahle-Mecklar wird in vier Einzelverfahren beantragt: Bisher erhielt Tennet Planfeststellungsbeschlüsse und damit Baurecht für die Abschnitte B und D der Wahle-Mecklar-Leitung. Die  Leitungsabschnitte A und C befinden sich aktuell noch im Planfeststellungsverfahren.

(Aktualisiert: 28.03.2018, 08:06 Uhr)