Bewährungsstrafe wegen räuberischer Erpressung
07.08.2018, fb – Sonstiges

„Es wird nicht wieder vorkommen“, verspricht der Angeklagte in seinem Schlusswort. Zuvor hatte der 56-Jährige ein Geständnis abgelegt, den Überfall zugegeben. Wegen räuberischer Erpressung und Sachbeschädigung hat das Schöffengericht in Einbeck den Mann aus einem Ortsteil der ehemaligen Gemeinde Kreiensen heute zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt und diese auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mann 80 Stunden gemeinnützige Arbeit erbringen. Er sei ja offenbar handwerklich geschickt, schließlich habe er zusammen mit dem späteren Opfer geholfen eine Praxis zu renovieren, sagte Amtsrichter Thomas Döhrel.

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte im Februar vergangenen Jahres „mit Leuten, von denen er nur von einigen den Vornamen kannte, die Hucke vollgesoffen hat“, sagte Döhrel. Berechnet wurde später ein Alkoholgehalt zur Tatzeit von 3,83 Promille, bei dem nur Menschen mit gewohnheitsmäßigem Alkoholgenuss überhaupt noch zeitlich und räumlich orientiert sein könnten, wie das bei dem 56-Jährigen nach der Tat bei der Polizei der Fall gewesen sei, erklärte der Richter. Wer von seinen Trinkfreunden nach dem Zechgelage mit Bier und Kräuterschnapps dann die Idee gehabt habe und mit wem er letztlich losgezogen sei, lasse sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls sei der Angeklagte mitgegangen in die Wohnung des Opfers, der im Bett gelegen und von dem der 56-Jährige in bedrohlicher Haltung Geld und seinen Hund zurück gefordert habe. Die Wohnungstür ging dabei zu Bruch, ob beim Eindringen ins Schlafzimmer auch die angeklagten Worte „Moskauinkasso, Moskauinkasso“ gefallen sind, blieb offen. Der 56-Jährige hat jedenfalls aus der Wohnung des Opfers seinen Hund mitgenommen, wodurch er nach Meinung des Gerichts die räuberische Erpressung vollendet hat, selbst wenn er das geforderte Geld nicht bekam. „Es gibt aber keine Selbstjustiz in diesem Lande“, machte Richter Thomas Döhrel deutlich.   

Dem Urteil war eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht vorausgegangen, die Beweisaufnahme war nur kurz. „Verständigung klingt immer schmutzig“, sagte Richter Thomas Döhrel in seiner Urteilsbegründung. „Aber wir befinden uns völlig auf dem Boden des Gesetzes und im gesetzlichen Strafrahmen.“ Die maßgeblichen Faktoren der Tat habe man trotz des „Deals“ aufklären können. Die Strafe habe vermindert, dass der 56-Jährige letztlich gestanden habe, am Tatabend durch den Alkohol „erheblich beeinträchtigt“ und bei dem Überfallkommando wohl auch nicht der Anführer gewesen sei, sagte der Richter und berief sich dabei auch auf ein medizinisches Gutachten. Eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit hatte die Sachverständige nicht ausgeschlossen, der Angeklagte habe nur noch „Erinnerungsinseln“ an den Ablauf des Abends.

Das Gericht folgte wesentlich dem Antrag des Staatsanwalts. Der Pflichtverteidiger bat um eine geringere Strafe für seinen Mandanten und vor allem keine Geldbuße, obwohl natürlich klar sein müsse, dass man von anderen Menschen selbst dann seine Forderungen nicht auf diese Weise einzuholen versuchen dürfe, wenn man wie der Angeklagte nicht viel Geld habe.