Diakonie-Atlas für Diakonie-Leiter
03.09.2018, fb – Politik

„Wir sind ein diakonischer Kirchenkreis“, sagt Superintendent Jan von Lingen und überreicht dem Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Oberlandeskirchenrat Hans-Joachim Lenke, den Diakonieatlas 2018. Auf 14 Seiten listet das Papier das vielfältige diakonische Angebot in Leine-Solling auf und zeigt als Momentaufnahme, wo Kirche nicht nur Gottesdienst feiert, sondern beispielsweise einen Lernfonds aufgelegt hat, vielfältige Schuldner- und Sozialberatung anbietet, einen Hospizdienst leistet oder einen Tagestreff unterhält. Einen kleinen Teil davon hat Lenke bei einem Besuch im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis kennenlernen können. „Ich habe ein starkes diakonisches Engagement erlebt, das in dieser Ausprägung nicht selbstverständlich ist“, lobte Hans-Joachim Lenke nach seiner Tour durch Northeim, Uslar und Einbeck. Der 60-Jährige ist seit Februar oberster Diakonie-Chef in der Landeskirche Hannovers. Neu ist ihm die Region nicht: Lenke war von 1993 bis 2002 Pastor an der Marktkirche St. Jacobi in Einbeck.

In Einbeck informierte sich Lenke über die Flüchtlingsarbeit „Neue Nachbarn“ und den dort entwickelten „Fahrplan der Arbeit“, der verschiedene Phasen von der Erstversorgung über Sprachkurse und beruflicher Orientierung bis zur nachhaltigen Integration kennt. Immer wieder gelte es, bei interkulturellen Angebote alte und neue Nachbarn zusammenzubringen, sagte Kirchenkreis-Sozialarbeiter Marco Spindler. Rund 2000 Flüchtlinge hat das Projekt „Neue Nachbarn“ seit 2015 bereits betreut. Hans-Joachim Lenke warnte davor, jetzt bei dem Engagement nachzulassen, nur weil aktuell weniger neue Flüchtlinge kämen. Integration sei eine Generationenaufgabe und nicht schnell erledigt. Der Diakonie-Vorstandssprecher wünschte seiner Kirche den Mut, einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über die Integration zu führen. Gerade spüre man eine Veränderung in der öffentlichen Diskussion über Flüchtlinge, die immer stärker angefeindet würden. „Wir dürfen die Lufthoheit über die Argumente nicht rechten Zirkeln überlassen“, forderte Lenke einen „Aufstand der Anständigen“. Für Christen bleibe der Hilfe benötigende geflüchtete Mensch immer der Nächste.