Einbeck ist wieder am Zug
08.12.2018, fb – Wirtschaft, Politik

In Einbeck-Mitte fahren wieder regelmäßig Personenzüge: 34 Jahre nach dem letzten Zug in der Kernstadt startet der fahrplanmäßige Personenverkehr auf der reaktivierten Ilmebahn-Strecke zwischen Einbeck-Mitte und Einbeck-Salzderhelden. „Ein historischer Tag für Einbeck und den Schienenverkehr in Südniedersachsen“, sagte Dr. Christoph Wilk, Abteilungsleiter Verkehr im Wirtschaftsministerium in Hannover, heute bei der offiziellen Freigabe der sanierten 4,2 Kilometer langen Trasse.

Zugführer der Premierenfahrt war DB-Mitarbeiter Hans-Jörg Kelpe aus dem Einbecker Ortsteil Garlebsen. Pünktlich um 12.13 Uhr setzte der 50-Jährige den 27 Meter langen roten Dieseltriebwagen in Bewegung und fuhr mit den Festgästen nach Salzderhelden und wieder zurück nach Mitte. Anschließend konnten Interessierte die neue Verbindung bei kostenlosen Fahrten testen. Die modernisierten Nahverkehrszüge mit 67 Sitzplätzen sind jetzt auf der neuen Linie RB 86 unterwegs, die auf drei Brücken die Ilme und die Leine quert und fünf signalgesicherte Bahnübergänge hat. 600 Fahrgäste werktäglich sind prognostiziert.

Als „Leuchtturmprojekt des Fahrplanwechsels“, das ganz Südniedersachsen stärke, bezeichnete Dr. Christoph Wilk, Abteilungsleiter Verkehr im Wirtschaftsministerium, die Freigabe in Einbeck-Mitte. Die SPD/CDU-Landesregierung stehe voll hinter der unter Rot-Grün entschiedenen Reaktivierung der Strecke. Infrastrukturprojekte seien nicht nur in den großen Städten, sondern auch im ländlichen Raum wichtig, er hoffe, dass möglichst viele nun das Auto stehen ließen. Die erste wieder aktivierte Bahnstrecke in Niedersachsen zeige außerdem, „dass wir nicht nur Radwege können“ auf stillgelegten Bahnstrecken.  

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel erinnerte daran, dass es nur dank des Einschreitens von Landkreis Northeim, Stadt Einbeck und Ilmebahn und mit einem parteiübergreifenden Engagement möglich gewesen sei, die Strecke im Jahr 1999 vor der Stilllegung zu bewahren. Mit insgesamt 9,2 Millionen Euro Sanierungskosten liege man 15 Prozent über der Schätzung, das sei ein vertretbarer Rahmen.

Für Einbeck seien die beigesteuerten 500.000 Euro „ein Kraftakt“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Und der ZOB liegt noch vor uns.“ Trotz Freude über die Anbindung ans Schienennetz: Man habe noch eine Menge Arbeit, um das „Tor zur Stadt“ rund um den Bahnhof attraktiver zu machen. Einiges habe Einbeck allerdings bereits geleistet, den Park&Ride-Parkplatz beispielsweise.

Für die DB Regio AG, die in den nächsten 20 Jahren den Schienenverkehr auf der Strecke durchführt, freute sich der Vorsitzende der Regionalleitung Nord, Torsten Reh, über die problemlose Freigabe in Einbeck, wo am Bahnhof auch ein neuer Bahnsteig sowie ein Übergang zum P&R-Parkplatz gebaut worden seien. „Bei uns muss man nicht durchs Fenster steigen“, blickte er auf die schlagzeilenträchtige Bahnsteig-Panne im Bahnhofsgebäude in Bad Bentheim. 

Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn hofft, dass sich die Erwartungen erfüllen und setzt auf Feinjustierungen in der Zukunft. Drei durchgehende Verbindungen werktags morgens nach Göttingen seien gut, „ein vierter Zug um kurz nach 9 Uhr würde sehr gut ankommen“, wünschte sich Aschoff.

Der erste Zug der kostenfreien Sonderfahrten hatte übrigens neun Minuten Verspätung. Der Grund: Ein technischer Fehler im Stellwerk.

Hier ein Video von der Streckeneröffnung.