Einbecker-Aktionärsversammlung wieder in Einbeck
30.05.2017, fb – Wirtschaft

Die Einbecker Brauhaus AG hat ein weiteres Jahr der Konsolidierung bilanziert. Alle Abfüll- und Logistikaktivitäten der Unternehmensgruppe (Einbecker, Göttinger, Martini, Kasseler, Nörten-Hardenberger, Härke) sind heute in Einbeck konzentriert, abschließende Investitionen dafür sind getätigt. 2017 wird nach Prognose des Vorstandes ein schwieriges Sanierungs-Übergangsjahr sein, auch weil gleichzeitig der Biermarkt rückläufig ist. „Wenn wir mit dem Masterplan durch sind, werden die Gewinne nicht mit einem Mal aus allen Ecken sprudeln“, warnte Vorstandssprecher Lothar Gauß bei der Hauptversammlung der Aktionäre in der PS-Halle am Oldtimer-Ausstellungshaus PS-Speicher in Einbeck vor zu großen Erwartungen.

Nach drei Jahren zu Gast in der Stadthalle Northeim fand das Aktionärstreffen heuer erstmals wieder in der Bierstadt statt. Rund 300 (240) Anteilseigner waren anwesend, was lediglich gut 60 Prozent des Grundkapitals entsprach (Vorjahr: 84,3 Prozent).

Im laufenden Jahr liegt das Einbecker Brauhaus beim Bierabsatz hinter dem Markt zurück – mit vier Prozent im Minus ein Prozent schlechter als die Branche. Einen Grund sieht der Vorstand darin, dass sich Kunden im Dezember mit Fässern bevorratet haben, bevor das Unternehmen zum 1. Januar 2017 die Preise erhöht hat. Einen weiteren Grund sieht Lothar Gauß im unterdurchschnittlichen Absatz von Einbecker Mai-Ur-Bock in dieser Saison, bei der Bierspezialität wachse außerdem der Wettbewerb. „Wegen der negativen Absatzentwicklung bedarf es all unserer Anstrengungen, 2017 ein positives Ergebnis mit Kontinuität in der Dividendenzahlung zu erzielen“, sagte Gauß.

Die Aktionäre folgten dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat und beschlossen, aus dem Bilanzgewinn im Geschäftsjahr 2016 in Höhe von rund 650.000 Euro (Vorjahr: 313.000 Euro) eine Dividende von 8 Cent je dividendenberechtigter Stückaktie zu zahlen, ein Cent mehr als im Vorjahr. Der Jahresüberschuss lag im Geschäftsjahr 2016 mit 1,053 Millionen Euro deutlich höher als im Vorjahr. Das im fünften Jahr in Folge zugelegte Jahresbetriebergebnis (1,44 Millionen Euro) wurde in Höhe von 600.000 Euro einmalig durch eine gesetzlich erforderliche zinssatzbedingte Neubewertung bei den Pensionsrückstellungen beeinflusst. Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. Ende 2016 beschäftigte das Unternehmen 127 Mitarbeiter (Vorjahr: 128) und 13 Auszubildende (Vorjahr: 12).

Die Einbecker Brauhaus AG setzte im bilanzierten Geschäftsjahr 2016 insgesamt 585.450 Hektoliter Bier ab, knapp 20.000 Hektoliter weniger als im Vorjahr 2015 (605.000 Hektoliter). Der Absatz der Eigenmarken (Einbecker, Göttinger, Härke, Martini, Kasseler, Nörten-Hardenberger) lag mit 470.964 Hektoliter rund fünf Prozent über dem Vorjahr, erstmals ist in dieser Zahl die Marke Härke enthalten. Die Peiner Braumanufaktur konnte das drastische Minus der Kasseler Marken kompensieren: Der Absatzverlust der Kasseler und Martini (15,7 Prozent) „liegt erheblich über unseren Planungen“, sagte Lothar Gauß. Auch das Nörten-Hardenberger verliert deutlich (7 Prozent). Bei der Einbecker Markenfamilie konnte der Absatzrückgang bei Einbecker Pilsener durch das neue „Ainpöckisch 1378“ mehr als ausgeglichen werden.

Verluste im Inland kann die Brauhaus außerdem durch Exporte teilweise kompensieren. „Da sind wir sehr gut unterwegs“, sagte Gauß. In den ersten vier Monaten 2017 konnte das Volumen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt werden. Auch beim Export von alkoholfreiem Bier sei man auf einem guten Weg, von 2000 Hektoliter soll der Absatz auf 7000 Hektoliter steigen.

Im Logistikbereich hat die Brauerei eine zentrale Sortieranlage für das Mehrwegleergut errichtet und  800.000 Euro investiert. Die vorbereitenden Arbeiten für eine weitere, 2500 Quadratmeter große Voll- und Leerguthalle im Logistikzentrum an der Hansestraße in Einbeck sind abgeschlossen, die Brauerei rechnet in den nächsten Tagen mit der Baugenehmigung der Stadt Einbeck. Die 1,5-Millionen-Euro­-Investition soll Ende August stehen.

Investiert hat die Brauhaus AG zudem in der Energieeffizienz. Zwei erst 2008 angeschaffte und dem heutigen Stand der Technik entsprechende Dampfkessel aus der Martini-Brauerei Kassel sind in Einbeck zur Dampferzeugung im Brauhaus neu aufgebaut worden.