Einbecker Neujahrsempfang: Augenmerk auf die Altstadt
20.01.2018, fb – Wirtschaft, Politik

Mit dem Wunsch einer positiven Einbeck-Vermarktung durch jeden Einzelnen, dem Aufruf zu einem gemeinsamen Zukunftsplan für Einbeck und der Forderung nach mehr Investitionen in der City sind rund 200 Vertreter vor allem aus Wirtschaft und Politik beim Empfang der Einbeck Marketing GmbH sowie der InitiativGemeinschaft in der PS-Halle ins neue Jahr gestartet. Die "Gläserne Eule", den Preis für besonderes gesellschaftliches Engagement, erhielt Eberhard Schmah, jahrzehntelang als Moderator "die Stimme" zahlreicher Veranstaltungen in der Region, vor allem des Einbecker Eulenfestes. Entwicklungsbegleiter Alexander Rudnick (Barsinghausen) zeigte in seinem Vortrag Chancen für Innenstädte wie Einbeck durch neues Investment auf.

InitiativGemeinschaft-Vorsitzender Christoph Bajohr wünschte sich eine positive Vermarktung des Standorts Einbeck, um die Stadt als Marke zu etablieren. Wenn Einbecker gefragt würden, woher sie kommen, wüssten viele mit dem Bier etwas anzufangen, dem Standortmarketing-Faktor seit mehr als 600 Jahren, und neuerdings viele mit dem PS-Speicher. Dann aber höre es oftmals auf. Die Bevölkerung als Botschafter für Standortmarketing zu begeistern, sei eigentlich nicht schwer. Denn im Unterschied zur Großstadt könne man in Einbeck ohne Stau zur Arbeit fahren, lebe nicht anonym, finde nach der Arbeit einen Parkplatz direkt vor dem Haus, lebe günstiger, sicherer und im Grünen. Bajohr: "Und irgendwann haben wir dann auch noch mal schnelles Internet."

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sagte, das Augenmerk müsse 2018 auf der Altstadt liegen, die Kernstadt lebe von ihrer historischen Bausubstanz, die zu erhalten das Ziel der Stadt Einbeck sei. Die Rathauschefin warb um Akzeptanz dafür, dass Projektplanung Zeit benötige - auch, weil man sich für den Mut zur Veränderung Zeit nehmen müsse. Manchmal mache man auch Fehler, "und immer ist es auch ein Stück Wagnis", sagte Michalek. Beim Neustädter Kirchplatz und bei der "Magistrale der Baukultur" sei man "mitten in der Planungsphase", im ersten Halbjahr würden Ergebnisse in den politischen Gremien vorgestellt. Die Entwicklung der Stadt sei eine Teamleistung, sie funktioniere nur, wenn alle Rädchen ineinander greifen. Die Bürgermeisterin appellierte, alle mögen sich an der Beantwortung von strategischen Fragen beteiligen und gemeinsam einen Plan entwickeln, wie es nach Ende des Zukunftsvertrages für Einbeck weiter gehen solle: Stadtrat, Verwaltung und Bürgerschaft.

Berater Alexander Rudnick zeigte in seinem Vortrag auf, wie es in Städten wie Einbeck Möglichkeiten geben kann, in der Innenstadt zu investieren und sie wieder mehr zu beleben. Vor allem sei das Aufgabe von Privatleuten, nicht der öffentlichen Hand. Dabei sei Lokalpatriotismus notwendig. Rudnick: "Steuern zahlen reicht nicht mehr." Um die Innenstadt zu stärken, müsse man die Eigentümer der Immobilien an die Hand nehmen, beispielsweise mit intelligenten Vermietungskonzepten Leerstandsmanagement betreiben. Die Wirtschaftsförderung der Stadt sei nicht auf den Handel ausgerichtet, kritisierte Rudnick. Der neue Typus City sei kompakt und multifunktionional, es gelte den Kern zu verdichten und intakt zu gestalten, beispielsweise durch mehr Wohnraum oder die Zusammenlegung von kleinteiligen Immobilien, um moderne, größere Gewerbeflächen zu schaffen, sagte Rudnick. Einbeck habe heute nur 16 Prozent seiner Verkaufsfläche in der City, aber nur mit 30 Prozent könne man von einem Zentrum des Einkaufens sprechen. Citymanagement könne das verändern.

Die "Gläserne Eule" 2018 haben Einbeck Marketing und InitiativGemeinschaft an Eberhard Schmah verliehen. Der Salzderheldener habe sich in besonderem Maße und überdurchschnittlich für den Standort und die Stadt engagiert. Eigentlich Lehrer an der Berufsschule, habe Schmah viele Jahrzehnte aber gewissermaßen auch zur Showbranche gehört, sagte Christoph Bajohr. Denn als Moderator habe er nicht nur bereits 1974 beim NDR für das erste Einbecker Stadtfest geworben, sondern habe seit 1978 auch das Programm zusammengestellt und sei durch seine Moderationen zur "Stimme des Eulenfestes" geworden. Bajohr: "Er hatte alle Stargäste vor seinem Mikrofon." Bis 2016 habe ihn die Eule 40 Jahre lang verfolgt, dankte Eberhard Schmah schmunzelnd für die gläserne Auszeichnung. "Ich habe einfach aus dem Bauch heraus meine Stimme sprechen lassen", erinnerte er sich an die Anfänge, als ihn Eulenfest-Gründer Walter Schmalzried gefragt habe: "Können Sie nicht einfach ein bisschen erzählen?" Das tat Schmah dann, viele Jahre beim Eulenfest vom Turmzimmer des Rathauses aus, via Lautsprecher von Radio-Brandt in der gesamten Innenstadt.