Einbecker Tafel feiert Geburtstag
19.03.2018, fb – Wirtschaft

Vor zehn Jahren wurde die Einbecker Tafel gegründet. Und vor zehn Jahren haben nicht wenige die Hoffnung gehabt, den Geburtstag nach einem Jahrzehnt nicht mehr zu feiern, weil es keine Tafel mehr braucht. Dem ist nicht so. Heute sind rund 100 Bedarfsgemeinschaften mit rund 300 Menschen registriert, etwa 80 Bedarfsgemeinschaften holen sich regelmäßig Lebensmittel bei der Einbecker Tafel. 42 ehrenamtliche Helfer sorgen zurzeit für Abholung, Sortierung und Ausgabe. Im Namen des Organisationsteams dankte Marco Spindler bei der Geburtstagsfeier der Einbecker Tafel in der Krypta der Münsterkirche St. Alexandri für treue Verbundenheit und Unterstützung "aus Liebe zu den Menschen in dieser Stadt". Viele Helfer und Unterstützer seien seit Beginn dabei. Spindler: "Starke, tragfähige Netze sind nur möglich, wenn viele daran knüpfen."

Thomas Döhrel erinnerte im Namen des Orga-Teams an die vergangenen zehn Jahre und den Aufbruchgeist der Gründung. 2007 sei bei den Wohlfahrtsverbänden die Idee entstanden, letztlich unmgesetzt wurde sie von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde und dem Diakonischen Werk von Marco Spindler, Ewald Marschler und Thomas Döhrel, mit Unterstützung der anderen. Sponsoren sorgten für ein Auto, mit dem Lebensmittel bei den Märkten abgeholt werden können, bald soll das mittlerweile dritte Fahrzeug in der Geschichte der Tafel zum Einsatz kommen. Hinzu kam finanzielle Unterstützung als Anschubfinanzierung von Stadt, Landkreis, Sparkasse und Diakonie. Am 23. Januar 2008 gab es die erste Ausgabe von Lebensmitteln an 49 Bedarfsgemeinschaften, im März 2008 waren es schon 101.

Aus der ersten Ausgabestelle am Stiftplatz 1 zog die Einbecker Tafel 2011 in den gegenüberliegenden ehemaligen Getränkemarkt in der Münsterstraße, Mietpaten unterstützen hier bis heute die Möglichkeit, in den größeren Räumen die Lebensmittel anzuliefern, zu sortieren und schließlich auszugeben. Die verschiedenen Helferteams arbeiteten dabei autonom, berichtete Döhrel. Das anfängliche Organisationsteam habe sich immer stärker zurück gezogen, wahrscheinlich zu stark, räumte Döhrel selbstkritisch ein. Die Krise 2016 mit Streit und Problemen sei wesentlich selbst verursacht gewesen. Als man damals am Scheideweg bei dem Projekt gestanden habe, sei die Umstrukturierung hin zu nur noch einer Ausgabe pro Woche und die Umstellung auf Selbstbedienung der Ausweg gewesen.    

Seit einem Jahr agiere mit Michael Weber zudem erstmals ein hauptamtlicher Mitarbeiter koordinierend in der Einbecker Tafel. "Die Stimmung ist wieder besser geworden", sagte Döhrel, und auch er selbst sei wieder voller Enthusiasmus: "Wir schaffen das."

Jeden Donnerstag ab 15 Uhr öffnet die Ausgabe der Einbecker Tafel in der Münsterstraße. Der Ablauf sei beinahe wie im Supermarkt, berichtete Michael Weber. Zwei Personen pro Familie bekommen rund zehn Minuten Zeit, die Lebensmittel selbst auszuwählen und in den Einkaufswagen zu legen, einzig die Tiefkühlware werde durch Helfer ausgegeben. Durch verschiedenfarbige Einlasskarten, die im Losverfahren vergeben werden, gebe es auch kein Schlange stehen oder Drängeln mehr.

In einer Andacht sprach Pastorin Mingo Albrecht bei der Geburtstagsfeier in der Krypta der Münsterkirche über Jesu Gleichnis von den fünf Broten und zwei Fischen. In diesem Sinne sei auch die Einbecker Tafel ein Fest des Teilens, bei dem das weitergereicht werde, was vorhanden sei. Denn auf der Welt seien nicht die Ressourcen das Problem, sie würden für alle ausreichen, sondern das Problem sei die gerechte Verteilung. Die Einbecker Tafel helfe seit einem Jahrzehnt, Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren und gebe dem Begriff seine eigentliche Bedeutung zurück: Sie seien für viele Mittel zum Leben.