Gedenken an den 9. November 1938 in Einbeck
10.11.2018, fb – Politik

"Wir sind alle gefordert, immer wieder gegen Gleichgültigkeit deutliche Zeichen zu setzen und Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in jeder Form klar und entschieden entgegen zu treten", sagt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. "Nicht irgendwann und irgendwo, sondern hier und jetzt." Zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Novemberpogrome versammelten sich rund 100 Menschen am jüdischen Mahnmal für die am 9. November 1938 angezündete neue Synagoge an der Bismarckstraße. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek legte dort einen Kranz nieder.

Gedenken meine, die Erinnerung in unserer Gegenwart zu verankern, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Im Alten Testament, der hebräischen Bibel, bedeute Gedenken nicht einfach, etwas abzuspeichern, auf der Festplatte oder in einer Cloud. Denn die Folge wäre das Verblassen und Vergessen. "Indem wir heute gegenüber der zerstörten Synagoge zusammenkommen, nehmen wir jenen den Triumph, die genau dieses beabsichtigt hatten: die Erinnerung an jüdische Menschen und an jüdisches Leben in Einbeck zu vergessen."

Vorurteile und Antisemitismus seien in der Gesellschaft nicht verschwunden. Juden werden wieder auf offener Straße angegriffen - einfach, weil sie als Juden erkennbar sind, mit einer Kippa oder mit einem Gebetbuch. Das Holocaust-Denkmal in Berlin werde als "Denkmal der Schande" geschmäht, rechtsextreme Demonstranten könnten in Chemnitz und anderswo ungehindert verbotene Abzeichen und Gesten zeigen und Hassparolen brüllen. Die offene Gesellschaft, in der alle Gruppen gleiche Rechte haben, werde zunehmend in Frage gestellt, insbesondere von Parteien, die gern und nicht erfolglos mit Sündenböcken und Feindbildern argumentierten. "Wir sind jetzt gefordert", appellierte die Bürgermeisterin, "wir müssen entschieden einstehen für Würde, Recht und Menschlichkeit aller Menschen, wo immer sie in Gefahr sind."

Nur weil es hier in Einbeck relativ ruhig sei, dürfe man sich nicht der Illusion hingeben, dass ein bisschen Widerstand und das Schweigen der Mehrheit genug seien. Michalek: "Wir alle tragen Verantwortung für die Zukunft - für die Freiheit in unserem Land, für eine starke Demokratie und für ein friedliches, respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger."

Schüler trugen eine von Werner Behrens (Einbeck) aktualisiert bearbeitete Version von Konstantin Weckers bekanntem Text "Sage Nein" vor.

Vertreter des Bündnisses "Einbeck ist bunt" standen schweigend mahnend während der Gedenkveranstaltung mit Schildern, auf denen die Namen von einstigen Einbecker Mitbürgern jüdischen Glaubens geschrieben waren.

Musikalisch begleitete die Bläsergemeinschaft Kuventhal-Einbeck die Kranzniederlegung.

Video von der Gedenkveranstaltung 2014.