"Grüne Damen": Nächstenliebe im Ehrenamt
27.09.2017, fb – Sonstiges, Wirtschaft

Die „Grünen Damen“ im Einbecker Krankenhaus haben ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. „Wir wollen engagierte und toughe Damen ehren und hochleben lassen“, sagte Christa Freitag, eine der Leiterinnen der 26 Frauen umfassenden Gruppe, zu Beginn der Feier in den Räumen der Einbecker Freimaurerloge „Georg zu den drei Säulen“. Christa Freitag erinnerte an die Anfänge 1987 mit der Ärztin Dr. Maria von Ruperti als Motor, die das Projekt an der Universitätsklinik Göttingen kennengelernt und nach Einbeck gebracht hatte. Seit drei Jahrzehnten seien die „Grünen Damen“ freundlich, verschwiegen, zuverlässig und teamfähig in ihren grünen Kitteln im heutigen Bürgerspital für die Patienten da. „Höhen und Tiefen der Klinik haben wir erlebt, mit den Mitarbeitern gelitten, zum jetzigen Zeitpunkt leider wieder“, sagte Dagmar Koch, die weitere Leiterin. Aber gerade deshalb wolle man das besondere Datum nicht verstreichen lassen. „Unsere Hilfe kann immer und überall zum Einsatz kommen, in welcher Konstellation auch immer, es werden sich unter Umständen neue Wege finden.“  

Die ehrenamtliche Arbeit der „Grünen Damen“ widmet sich bei den Besuchsdiensten montags bis freitags den Sorgen der Patienten, seinen Ängsten in besonderen Situationen, der unbekannten Umgebung eines Krankenhauses. „Bevor wir die Tür eines Patientenzimmers öffnen, atmen wir durch“, berichtete Dagmar Koch. „Wir wissen nie, was uns hinter der Tür für Schicksale begegnen.“ Es könne sein, dass sie unkomplizierte Gespräche führten, beim Packen der Taschen helfen oder beim Frühstück unterstützen könnten. Manchmal besorgten die „Grünen Damen“ eine Zeitung oder ein Buch, aber auch besorgten Angehörigen einen Kaffee, hörten einfach nur zu. „Vielleicht schließen wir die Tür aber auch wieder ganz leise von außen“, sagte Koch. „Unsere Aufgaben sind vielfältig, und wir möchten sie nicht missen.“

„Vielen Dank für die vielen Stunden und die Aufenthalte bei den Patienten“, würdigte der ehemalige Landesbischof und Abt von Kloster Loccum, Dr. Horst Hirschler, das Engagement der Einbecker „Grünen Damen“. Diese seien Gesprächspartnerinnen, wofür die Krankenschwestern leider immer weniger Zeit hätten. Er sprach über „Das Ehrenamt und die christliche Nächstenliebe“. Jeder erfülle seinen Dienst freiwillig, Liebe als Pflicht sei nicht möglich. „Man nimmt sich nicht vor, nächstenlieb zu sein“, sagte Hirschler über die Beweggründe, bei den „Grünen Damen“ mitzumachen. Meist sei es eine Bekannte oder Freundin, die Interessierte überzeuge, doch einmal mitzukommen. Die „Grünen Damen“ versuchten, die christliche Grundhaltung zu leben, seien Menschen, bei denen sich nicht alles nur um sie selbst drehe. „Nächstenliebe ist ein Abfallprodukt des Glaubens“, sagte der Theologe: Die Augen offen, den Kopf und die Hände frei zu haben für andere Menschen, zu schauen, wo man gebraucht werde, sei christlich verstandene Nächstenliebe. Basis für das Handeln sei die Angst, wer aber in Gottes Hand geborgen sei, der brauche keine Angst, müsse nicht zum hoffnungslosen Macher werden, der immer meine, doch irgendwas tun zu müssen. Er könne Vertrauen haben. Das Menschsein bestehe nicht aus Selbstverwirklichung. Hirschler: „Dass ich da bin und mich am Leben freue, das ist das Geschenk des Lebens“. Er wünschte den „Grünen Damen“ in Einbeck das „Klima einer allgemeinen Menschenfreundlichkeit“.

Mit Urkunde, Ehrennadel und Rose ausgezeichnet wurden für ihre Tätigkeit bei den „Grünen Damen“ in Einbeck Elgin Kühne (10 Jahre), Marie-Luise Schwerdtfeger (15 Jahre), Maria Schmidt (25 Jahre) und Renate von Reibnitz (30 Jahre). Er sei angesichts dieser Einzeljubiläen regelrecht gerührt, sagte Helmut Markowsky, der für den Bundesvorstand der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe (EKH) die Glückwünsche überbrachte. Ein starkes Team zu sein sei das, was niemand toppen könne, sagte der evangelische Pastor aus Coswig/Anhalt. Als kleine Stärkung für die Leiterinnen Dagmar Koch und Christa Freitag hielt Markowsky eine Packung „Lutherol“ bereit, ein „Breitband-Theologicum für Geist & Seele“, die Tabletten sind Sinnsprüche, „seit 500 Jahren bewährt“. 

Musikalisch bereichert wurde die Feier durch Viktoria Strauß (Gesang) und Sören Schirmer (Flügel), beide mehrfache Preisträger bei Musikwettbewerben. Die 15-Jährige besucht die Goetheschule Einbeck ebenso wie der 16-Jährige, der parallel bereits Student an der Musikhochschule Hannover ist.