Heimatforscher finden Belege für einen Abtshof bei Holtershausen
21.06.2016, Frank Bertram – Politik, Unterhaltung, Sonstiges, Freizeit

22.06.2016, fb. Die Legende ist seit langer Zeit bekannt – und Flurnamen wie Möncheliet, Möncheholz und Mönchsbreite weisen auf ein Kloster in der Nähe des kleinen Einbecker Ortsteils Holtershausen hin. Nun aber lassen sich die Vermutungen belegen: Durch intensive Quellen-Recherchen und dank einer im Staatsarchiv Wolfenbüttel gefundenen, umfangreichen Urkunde aus dem Jahre 1543 können Udo und Marco Strohmeier aus Holtershausen sowie der Einbecker Stadtarchäologe Dr. Stefan Teuber nachweisen, dass es einen Abtshof zwischen Holtershausen und der Hube gegeben hat. Und sie haben durch historische Karten, Luftbilder und archäologische Untersuchungen vor Ort die Ländereien, die einst zu der klösterlichen Hofstelle gehört haben, näher lokalisieren können.

Das im Archiv gefundene umfangreiche Schriftstück aus dem Jahr 1543 enthält mehrere Urkundenabschriften aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert. Auf 18 Seiten wird eine Gerichtsverhandlung geschildert, die am 16. November 1543 im Amt Gandersheim stattgefunden hat. „Das war kein Streit unter Bauern, der unter der Friedenseiche geschlichtet wurde“, sagen Udo und Marco Strohmeier, „das war eine Auseinandersetzung des absoluten Hochadels.“

In dem Streit zwischen Herzog Philipp I. zu Braunschweig-Grubenhagen und Burghard von Saldern geht es vorrangig um den Holzeinschlag und -abtransport aus dem Waldstück bei Holtershausen sowie um den Betrieb der Kalkmeiler, für die zumindest ein Teil des geschlagenen Holzes verwendet wurde. Burghard von Saldern war seit Jahrzehnten Herr im Amt Greene, in dem sich auch das Dorf Holtershausen befand. Er gab sich unwissend, dass das Dorf vor langer Zeit an das Augustinerkloster zu Einbeck verkauft worden und nach dessen Auflösung an Herzog Philipp zurückgefallen war. Wie der Prozess ausgegangen ist, sagt die Urkunde nicht. Aus späteren Zeugnissen wissen die Historiker aber, dass der Herzog gewonnen haben muss.

In der Urkunde von 1543 tauchen mehrere Hinweise auf, die den Heimatforschern wichtige Anstöße dafür gegeben haben, wo sich der Abtshof mit seinem 16 Hufe oder 120 Hektar große Areal befunden haben kann. Reste von Kalköfen, die Udo und Marco Strohmeiers mit Dr. Stefan Teuber auf Luftbildern gefunden und vor Ort bestätigt gesehen haben, grenzen die Fläche weiter ein. „Das Holz und der gebrannte Kalk wurden nach Einbeck und anderswo verkauft, wozu die Mönche eigens zwei Pferde hielten“, erläutern die Heimatforscher. „Auch die Bewohner von Brunsen und Ippensen schlugen darin selbst Holz und halfen den Mönchen aus Einbeck, das Holz abzufahren.“ Wichtige Abnehmer des gebrannten Kalks war Einbeck, wo mit dem Mörtel die Gefache der Fachwerkhäuser verputzt wurden.

Die handschriftlichen Urkunden aus dem Mittelalter haben sich die Holtershäuser von einem Historiker aus Süddeutschland entziffern lassen. Der Einbecker Geschichtsverein und der Kultur- und Heimatverein Holtershausen unterstützen das Projekt finanziell. Noch im Sommer soll es einen ersten Vortrag über ihre Spurensuche und den Abtshof geben, für das nächste Jahrbuch des Geschichtsvereins ist ein ausführlicher Beitrag geplant.