Herzklopfen auf Rädern
20.03.2018, fb – Freizeit, Wirtschaft

Vier Autos, vier Motorräder – sie lassen die Herzen von Oldtimer-Freunden beben. Inszeniert auf roten Teppichen zeigt die neue Sonderausstellung „Herzklopfen auf Rädern“ im PS-Speicher acht besondere Fahrzeuge. „Klein, aber fein“ nennt Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel die Schau von Kostbarkeiten und Ikonen aus der Geschichte der Mobilität, in der außergewöhnliches Design, historische Bedeutung und Motorleistung zu einem der acht großzügigen Plätze im Scheinwerferlicht verholfen haben. „Luxus auf Rädern“ sollte die Ausstellung ursprünglich heißen, verrät Meyer-Mertel, aber es gehe den Gastgebern dieser illustren Zwei- und Vierräder nicht um den Wert der Motorräder und Automobile: „Es geht um das Herzklopfen“.

In der neuen Sonderausstellung, die zunächst ein halbes Jahr in dieser Besetzung zu erleben sein soll, lassen Begeisterung, Aufregung und Freude das Herz höher schlagen. Geplant ist, im Herbst die Schau mit ausgetauschten anderen Herzklopfen verursachenden Zwei- und Vierrädern fortzusetzen.

Zu sehen ist eines der schönsten Sportcabriolets, ein Horch 853 aus dem Jahr 1937: lange Motorhaube, weit hinten positionierte Fahrgastzelle, großzügig geschwungene Vorderkotflügel, die in einem lang auslaufenden Trittbrett münden. Nur rund 1000 Exemplare wurden ausgeliefert. Der auf der IAA 1935 in Berlin vorgestellte Horch mit seinem für seine Laufruhe geschätzten Achtzylinder-Reihenmotor war in Zweifarblackierung in vier Farbtönen bestellbar, konnte auf Wunsch mit Autobahn-Schnellgang ausgerüstet werden.

Die mit ihrer Heckflosse avantgardistisch anmutende Tatra 87 Limousine wird von vielen als Ideengeber für den VW Käfer gesehen. Der Typ 87 wird von der tschechischen Marke bis 1950 nahezu unverändert in einer Stückzahl von 3023 Exemplaren gebaut und gilt als konsequent stromlinienförmiges Fahrzeug als Meilenstein der Automobilgeschichte.

Außerdem duellieren ein Mercedes Benz 300 S Cabriolet A und das Citroen DS19 Cabriolet Usine („Die Göttin“) um die Gunst der Besucher. Der Mercedes wird nur 560 Mal gebaut, mit ihrem ist der älteste Autohersteller der Welt nur sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zurück im Luxussegment. Der Barock auf vier Rädern ist allerdings nur etwas für die Reichen. Gary Cooper, Bing Crosby oder König Hussein von Jordanien haben einen 300 S Cabriolett A gefahren, eines der begehrtesten Fahrzeuge seiner Zeit, das bis Mitte der 1950-er Jahre gebaut wurde. Das Citroen-Cabrio sorgte auf dem Pariser Automobilsalon 1955 für helle Aufregung, bereits am ersten Abend sollen 12.000 Bestellungen für diese Designikone eingegangen sein. Einzigartig damals war die hydropneumatische Federung: Bei abgestelltem Motor senkt sich der Wagen um mehrere Zentimeter, startet man den Motor, hebt er sich, verschiedene Fahrhöhen lassen sich einstellen.

Die vier seltenen Motorräder stehen den Automobilen in Design, Eleganz und Stärke in nichts nach. Da ist die Begründerin des BMW-Rennsportmythos, die wilde BMW R 37, das erste Motorrad mit Leichtmetall-Zylinderköpfen. Mit einer R 37 gewinnt BMW 1926 nicht nur die Deutsche Meisterschaft, mit ihr holt BMW auch die erste Goldmedaille durch einen Deutschen bei der Internationalen Sechstagefahrt in Großbritannien. Sie gesellt sich zu einer traditionellen Harley Davidson JD von 1928, einem Ausbund von Lässig- und Zuverlässigkeit ohne Chichi. Kraft und Ästhetik pur versprühen die Confederate Wraith B 120 aus Carbon und Aluminum und eine seltene Kawasaki Z1-R TC, das erste Serien-Turbo-Motorrad der Welt, bei dem Tester wie Kunden Schnappatmung bekommen haben.

Die Sonderausstellung „Herzklopfen auf Rädern“ im umgestalteten Forum des Oldtimer-Ausstellungshauses ist während der Öffnungszeiten des PS-Speichers (dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr) geöffnet; eine Einzelkarte kostet 3,50 Euro.