Integrationsprojekt der BBS Einbeck: Sound-Mobil aus alten Autoteilen
25.06.2016, Frank Bertram – Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Sonstiges

27.06.2016, fb. Sound braucht keine Sprache. Nur ein gemeinsames Taktgefühl, in diesem Fall für leidenschaftliche Rhythmen: In den Berufsbildenden Schulen Einbeck ist ein Sound-Mobil aus alten Autoteilen entstanden. Gemeinsam haben acht Schüler der Sozialpädagogik mit acht Flüchtlingen aus den Sprachförderklassen das ganz besondere Instrument gebaut und üben jetzt für ihren großen Auftritt: Vor dem offiziellen Eröffnungskonzert der Niedersächsischen Musiktage am 3. September in der PS-Halle in Einbeck werden die Schüler mehrere Stücke präsentieren. Percussion-Künstler Stephan Krause aus Hamburg probt zurzeit mit den jungen Leuten und ist begeistert: „Vormachen, ausprobieren, nachmachen – viel sagen muss ich nicht, für die Musik brauchen wir keine Sprache.“ Schlagzeug-Virtuose Martin Grubinger hat zugesagt, bei den Musiktagen mit den Jugendlichen gemeinsam auf dem Sound-Mobil zu spielen.

Seit Februar haben die 16 Schülerinnen und Schüler vier Schulstunden pro Woche am Sound-Mobil gearbeitet. Das vom gelernten Werkzeugmacher und ehemaligen BBS-Lehrer Eberhard Schmah am Computer entworfene Schlagmusikinstrument hat die Silhouette eines Pickup-Automobils und besteht aus drei Segmenten: Motorraum, Fahrgastgestell und Ladefläche. 114 Meter Vierkantrohre aus Stahl galt es zunächst vom Öl zu befreien, mit Maschinen-Kreissägen und anderen Metall-Werkzeugen zuzuschneiden, zu bohren, zu schrauben und mit Stahlblechen zu verbinden.

Vorkenntnisse hatte keiner der Schüler. „Wir hatten beide keine Ahnung von den Werkzeugen“, sagt Julia Martin. Die 19-jährige Sozialpädagogik-Schülerin bildete ein Duo mit Ahmed Al Shihabi(17) aus Syrien. Gleichberechtigt haben die angehenden Erzieher und die geflüchteten Jugendlichen aus den Sprachförderklassen am Sound-Mobil gewerkelt, über die Musik ihre eigene Sprache gefunden. Interessant sei gewesen zu erkennen, dass nicht der eine dem anderen zeigen wollte, wie es geht, sagt Sabine Schleder, Leiterin der Fachschule Sozialpädagogik. Unabhängig von der Arbeit am Sound-Mobil seien Kontakte und Freundschaften entstanden, anfängliche Distanz und Skepsis abgebaut worden. Mit dem Projekt bewirbt sich die Schule um den Niedersächsischen Integrationspreis, der im November verliehen wird.

Ingesamt 30 Schüler werden am Ende auf dem fünf Meter langen, zwei Meter hohen und einem Meter breiten Sound-Mobil spielen. Der Sound wird über die eingebauten Fässer, Blechdeckel, über die Motorhaube, über Auspuffrohre und über eine selbst entworfene Nockenwelle mit vier Blechbehälter-Zylinder erzeugt. „Wir wollten zuerst einen Zwölfzylinder bauen“, schmunzelt Schmah. „Am Ende haben wir es bei einem Vierzylinder belassen.“

Der gesamte Fertigungsprozess des Sound-Mobils wurde dokumentiert, am Ende des Projekts soll es ein Fotobuch und ein Video geben. Ohne die Unterstützung der Sponsoren Autohaus Hermann, Bense & Eicke Markoldendorf, TSR Recycling Einbeck und Print4You Einbeck wäre der Bau des Sound-Mobils nicht möglich gewesen, bedankt sich die BBS Einbeck.