Jaro Suffner sucht die Motive nicht, er findet sie
16.08.2017, fb – Unterhaltung, Wirtschaft

Arbeiten von atemberaubender Präzision ebenso wie Bilder in größter Unschärfe zeigt die neue Ausstellung „drive-by“ des Foto-Künstlers Jaro Suffner in der KWS Art Lounge Newcomer. Großformatige Landschaftspanoramen aus dem Hochgebirge und horizont-geöffnete Seelandschaften, farbige und monochrome Arbeiten, die der Künstler direkt auf die Wand tapeziert hat, sind bis zum 16. September zu sehen. "Eigentlich will ich nur wandern und habe die Kamera dabei", sagt Suffner, wie seine Bilder entstehen. Er sucht die Motive nicht, er findet sie.

Suffner begleitet hauptberuflich Musiker auf deren Tourneen, dokumentiert deren Auftritte und das Backstage-Leben. Dazwischen macht er sich mit seinem zu einem Mini-Wohnmobil umgebauten VW Golf auf den Weg in die Stille und die einsame Natur, um zu fotografieren. Er löst im Vorbeifahren aus dem Auto heraus aus oder auf Wandertouren im Vorbeigehen. Die persönliche drive-by-ErFAHRungswelt des Jaro Suffner wird in der Ausstellung für den Besucher emotional und nahezu physisch erlebbar.

Jaro Suffner, geboren 1986 in Breslau/Polen und in Einbeck aufgewachsen, hat von 2010 bis 2014 an der HAWK Hildesheim Grafik und Werbung studiert und mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

Jaro Suffner arrangiert bei seinen Touren durch die Natur nichts; er erzwingt nichts, sondern löst einfach aus. Er vermeidet bewusst das sterile, perfekte Foto, nutzt die Vitalität und die Kraft von ungelenken und verwackelten Aufnahmen. Gerade im Unbeabsichtigten liegt die Stärke der Arbeiten von Jaro Suffner. Zuhause wählt er aus den Reisefotos aus. „Ein Bild muss für mich funktionieren“, sagt er. In nachträglicher Bildbearbeitung werden von ihm dann formale Komponenten der Schwarz-Weiß-Aufnahmen verstärkt oder störende Bildelemente getilgt. Manche Arbeiten sättigt Suffner nachträglich wieder mit Farbe. Augenblicke und Momente, die er unterwegs erlebt hat, werden so zum dauerhaften Bild. Aus dem ursprünglich dokumentarischen Abbild entsteht ein künstlerisches Werk, eine malerische Fotografie.

In der Ausstellung hat der Fotograf seine Arbeiten selbst an die Wand tapeziert und wird diese nach der Ausstellung inspiriert von der Street Art wieder abreißen, um das Vergängliche zu zeigen. „Ich mag es nicht, wenn man Bilder umhängen kann, deshalb tapeziere ich sie an die Wand,“ erklärte Jaro Suffner im Gespräch mit KWS-Vorstand Peter Hofmann, der die Ausstellung eröffnet hat.

Bis zum 16. September 2017 sind die Fotoarbeiten von Jaro Suffner in der Newcomer Art Lounge, Tiedexer Straße, zu sehen: mittwochs von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, freitags von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 13 Uhr.