Jubiläumsgala auf der Greener Burg - nach dem Regen
13.07.2018, fb – Unterhaltung, Wirtschaft

Weißt Du noch? So fangen ja viele Geschichten über Ereignisse an, bei denen man zurückblickt. Weißt Du noch, dass sich genau zu dem Zeitpunkt über der Greener Burg dunkle Regenwolken gesammelt und ausgeschüttet haben, kurz bevor die Jubiläumsgala der 60. Gandersheimer Domfestspiele starten sollte? Die Antwort auf diese Frage als Anekdote mit Erinnerungen an durchweichte Unterlagen, mit roter Plastikfolie abgedeckte Sofas und durchnässte Festgäste wird dem nächsten Jubiläum vorbehalten bleiben. Als der Regenguss vorüber gezogen war, feierten die Domfestspiele fulminant dort eine Gala, wo einmal alles angefangen hat: auf der Greener Burg, die heute zur Stadt Einbeck gehört. Mit unterhaltsamen Geschichtchen, mit Gesang, Spiel und Tanz.

1952, das Stift Gandersheim feierte 1100. Geburtstag mit einem Historienspiel vor dem Rathaus. Doch dort führte damals noch unmittelbar eine Bundesstraße vorbei, keine Kulisse für einen ruhigen Theaterabend. Und weil der künstlerische Leiter, Eberhard Gieseler, gerade auch Intendant des Kulturwerks Bundesweihestätte Burg Greene geworden war, inszenierte er dort verschiedene Stücke. 1959 dann der endgültige Umzug nach Bad Gandersheim, vor das Portal der Stiftskirche. Und der Start mit „Jedermann“. Es folgten sechs Jahrzehnte Theatergeschichte.

Die verpackte Intendant und Moderator Achim Lenz so gekonnt, eloquent und unterhaltsam gemeinsam mit seinem Team, dass die Jubiläumsgala eine gelungene Mischung aus ernsthaften Erinnerungen, humorvollen Storys und starken Ensembleleistungen auf der Bühne zu Füßen des Burgfrieds wurde. Mit dem genialen Guido Kleineidam als Frank’n’Furter aus der „Rocky Horror Picture Show“ als einem der Höhepunkte. Peter Dietrich ließ noch einmal seinen „Jedermann“-Ruf erklingen, und auch sechs Jahrzehnte nach der Premiere als Abiturient konnte man eine Ahnung davon bekommen, wie beeindruckend das einst gewesen sein muss.

Alle waren guter Stimmung, hörten launige Geschichten und haben sich unter anderem irgendwie gemerkt, dass der heutige stellvertretende Einbecker Bürgermeister Marcus Seidel als Schüler auch mal Komparse war und damals einen Bart angeklebt bekam, der bis heute hält. Dass Achim Lenz einst als Assistent bei Dramaturgin Hilke Bultmann begonnen hat, die dem Gandersheimer Publikum so begnadete Schlageretten wie „Es war Sommer“ geschenkt hat. Dass der einstige Intendant Johannes Klaus die Rolle des Regengottes in Greene weit von sich gewiesen hat: „Hättest mich halt nicht einladen sollen“, sagte Klaus humorig, sich erinnernd an seine erste Regenfestspielzeit in Bad Gandersheim.

Die Anekdote vom Starkregen auf der Burgruine muss bis zum 70. Jubiläum warten. Vielleicht gibt es dann ein passendes Lied dazu, falls es englisch sein sollte, hier ein Vorschlag: Singing and sitting in the rain – and smile.

Frank Bertram