Kolumne: Anpacken
20.04.2018, fb – Kolumne

Einbeck hat sich wieder rausgeputzt. Nein, ich meine nicht das Aufblühen des öffentlichen Lebens, sobald die ersten Sonnenstrahlen und die Tische und Stühle vor den Cafés den Marktplatz von einer leeren, zugigen Fläche in eine Piazza mit Aufenthaltsqualität verwandelt haben. Ich meine den Putztag, den die Stadt Einbeck seit 2016 regelmäßig veranstaltet. Bürger nehmen Handschuhe, die Zange und den Müllsack in die Hand und säubern die öffentlichen Grünanlagen, sammeln Dosen, Flaschen, Papier und Plastik – und manches eklige mehr. Ich höre schon wieder die ersten rufen, das alles wäre doch Aufgabe der Stadt. Ja, das ist sie. Auch. Aber es ist ebenfalls unser aller Aufgabe. Denn wer ist denn „die Stadt“? Das sind doch wir alle! In den Dörfern sind solche Putztage der Gemeinschaft seit Jahrzehnten üblich und selbstverständlich.

Rund 450 Menschen zwischen 3 und 77 Jahren haben in Einbeck angepackt und teilgenommen am Putztag vor einer Woche. Diese zunächst groß erscheinende Zahl relativert sich schnell, sobald man weiß, dass es vor allem Kindergärten und Schulen waren, die teilweise komplett aktiv und unterwegs waren. Wo waren da die Vereine? Drei Einzelpersonen haben teilgenommen. Drei! Mein Respekt vor diesem Engagement. Aber das sollten beim nächsten Mal doch bitte ein paar mehr sein. Und wenn man sich nur eine Stunde Zeit nimmt, die Utensilien stellt die Stadt dank Sponsoren zur Verfügung, wäre der Aktion schon weiter geholfen.

68 Säcke á 80 Liter Müll kamen am Ende zusammen, mehr als jeweils bei den beiden bisherigen Sammlungen. Obwohl am Ende es natürlich am Besten wäre, es würde weniger gesammelter Abfall und diese Aktion gar nicht mehr geben müssen. Weil alles bereits sauber ist, niemand mehr seinen Müll achtlos, arglos oder absichtlich einfach so in die Blumenrabatten wirft. Die Hoffnung wird man ja noch haben dürfen…