Kolumne: Auf Empfang
29.12.2017, fb – Kolumne

Nachdem das Weihnachtsfest mit all seinen Glückwünschen per Post und E-Mail hinter uns liegt und wir uns an der Schwelle zu einem neuen Jahr befinden, an der uns wieder etliche Mails und Nachrichten erreichen werden, ist es höchste Zeit und gute Gelegenheit über den Vorschlag des Betriebsratsvorsitzenden eines sportlichen Automobilherstellers zu sprechen. Der hatte kürzlich gefordert, dass schlichte Arbeitnehmer nach Feierabend keine E-Mails mehr empfangen sollen, müssen und dürfen. Kein schlechter Gedanke, ist doch die arbeitsfreie Zeit heilig und sollte nicht durch E-Mails vom Chef oder netten Kunden gestört werden, um mal zur Ruhe zu kommen.

Nun beschränkt sich der Vorschlag aber nicht darin, dass die Mails die Beschäftigten im Feierabend nicht mehr erreichen sollen. Nein, der Mann möchte, dass die Mails wieder an den Absender zurück geschickt werden sollen, wenn sie außerhalb der Arbeitszeit des Adressaten geschickt werden. Return to sender, sozusagen. Damit sich der in der Freizeit erholte Arbeitnehmer nicht - zurück im Büro - durch die zahlreichen im Eingangskorb liegen gebliebenen unbearbeiteten Mails kämpfen muss. Nun ist es ja ein praktischer Nutzen von E-Mails, dass man sie einfach irgendwann schicken kann, wenn man an die betreffende Sache denkt, und der Adressat kann dann auf die Nachricht reagieren, sobald er möchte. Schließlich gibt es Menschen, die zu Zeiten arbeiten, an denen andere frei haben. Von unterschiedlichen Zeitzonen mal ganz abgesehen.

Wenn ich mir jetzt jedes Mal überlegen soll, ob der Adressat auch gerade arbeitet und sozusagen auf Empfang ist, dann könnte ich ja gleich zu einer praktischen Erfindung zurückkehren, die schon vor hundert Jahren gemacht wurde: Ich könnte einfach anrufen.