Kolumne: Augen zu
19.05.2017, fb – Kolumne

Wir kennen das doch alle: Der Referent will gar kein Ende finden, schon mehrfach hat er angekündigt, darauf „später nochmal zurückkommen“ zu wollen, und wir hatten das alles ja auch schon geahnt, als der Mann seinen Vortrag startete und unten rechts auf der Powerpoint-Präsentation klein, aber unübersehbar „1/89“ zu erkennen war. Erst bei „Folie“ 89 wird sich der Referent also für die Aufmerksamkeit bedanken. Und das kann dauern. Wir könnten also während des Vortrags zwischendurch mal flüchten, doch das wäre vielleicht ein wenig unhöflich und würde Aufsehen erregen. Der koffeinhaltige Wachhalter, meist Kaffee genannt, ist weit.

Und so entscheiden wir uns, die Augen zu schließen und uns zu konzentrieren. Das dachte sich kürzlich auch ein örtlicher Politiker, der schon mal im Landtag saß und dort auch wieder hinstrebt. Blöd nur, dass genau während dieser seiner Konzentrationsphase bei einem Parteitag die Fernsehkamera einer Nachrichten-Satiresendung auf den Mann schwenkte. Und die Scherzkekse vom Fernsehen argwöhnten, da werde geschlafen. Unverschämtheit! Vor ein paar Tagen ist ein afrikanischer Präsident in ähnlicher Situation erwischt worden, und spätestens da wurde der Wert eines guten Regierungssprechers deutlich: Der Präsident schlafe natürlich nicht, er habe nur manchmal die Augen zu, um diese zu schonen. Oder aber der Herr Präsident schaue nach unten, was aus der Ferne dann so aussehe, als ob da jemand ein Nickerchen mache. Schauen wir also öfter mal nach unten, wenn erst 34/89 erreicht ist.