Kolumne: Bedürfnisse
06.10.2017, fb – Kolumne

Es ist ein klassisches Dilemma. In das sich Politik und Verwaltung durchaus gemeinsam hinein manövriert haben. Es wird keine Lösung geben, die alle zufriedenstellt. Dass es auf dem Einbecker Friedhof keine barrierefreie Toilette gibt, ist bekannt. Und beschämend. Nicht nur während Trauerfeiern in der benachbarten Kapelle gibt es dafür Bedürfnisse. Jahrelang wurde das Problem hin und her geschoben, zwischen verschiedenen Ratsausschüssen, dem Rathaus, dem Bauhof, dem Seniorenrat und wieder zurück. Eine Lösungsmöglichkeit liegt dabei auf dem Tisch. Aber sie kostet – wen wundert das – Geld. Und da fängt auf dem Friedhof schon das nächste Problem an, das sich nicht leicht lösen lassen wird, das aber auch kaum jemand außerhalb von Amtsstuben versteht. Denn Geld ist dort nicht gleich Geld. Der Bauhof betreibt den Friedhof, darf aber nur aus seinen Mitteln, den erhobenen Friedhofsgebühren, investieren. Die ersten Ortschaftsvertreter haben sogar schon aufgemuckt, dass sie doch nicht mit den Friedhofsgebühren vom Dorf das Klo in der Stadt bezahlen wollen. Die Stadt darf nicht selbst aus ihrem Etat auf dem Zentralfriedhof investieren, weil es ja nicht ausschließlich ein öffentlicher Park, sondern ein Friedhof ist. Ganz bizarr wird es, wenn man Erläuterungen lauscht, dass die WC auf dem Friedhof ja eigentlich nur Trauernde besuchen dürfen, nicht aber Menschen, die den Friedhof schlicht und einfach für einen Spaziergang queren und dann ein Bedürfnis haben. Wird das eigentlich an der Tür kontrolliert, ob man traurig genug ist?

Kurz bevor sich eine Lösung abzeichnete, tauchte jüngst unvermittelt auf, dass imgrunde das gesamte kleine Verwaltungsgebäude auf dem Friedhof, in welches das barrierefreie WC eingebaut werden soll, nicht mehr gut in Schuss ist, der Sozialraum für die Mitarbeiter sogar zu klein und nicht mehr den Vorschriften genügend, das 70 Jahre alte Haus nur noch einen Restbuchwert von 13.000 Euro hat, in das 32.000 Euro für eine Toilette zu investieren ja ziemlich gewagt erscheint. Da darf die Frage erlaubt sein: Und das alles weiß man erst seit gestern? Wer Menschen mit ihrem Bedürfnis allein lassen will, der soll es doch bitte deutlich sagen. Und lieber 45.000 Euro in Straßenmalerei für Radfahrer auf der Ostertorkreuzung ausgeben. Ich weiß, das ist ein anderer Haushaltstopf. Aber: Wo ein Wille ist…