Kolumne: Da schlägt's 13
10.02.2017, fb – Kolumne

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist. Bauernregeln sind dieser Tage ja nicht gut gelitten, werden leicht missverstanden und bringen brave Landmänner und Landfrauen auf die Barrikaden, sorgen bei ihnen für einen ungesund hohen Puls. Wie verrückt diese Welt aber ist, zeigt sich erst in Limburg (und nein, es geht diesmal nicht um den einstigen Bischof dort mit architektonischen Vorlieben): Weil einer Veganerin der Glockenspiel-Song des alten Liedes „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ auf die Nerven ging, bat sie den Bürgermeister (angeblich freundlich), das Lied doch bitte abzustellen. Was dieser bürgerfreundlich auch sogleich tat, angeblich aber erstmal nur vorrübergehend, so wird er jetzt jedenfalls in aufgeregten Korrespondenten-Berichten aus der hessischen Provinz zitiert. Der Bürgermeister heißt Hahn, kein Scherz.

Mal abgesehen davon, dass Journalisten und deren Arbeit in neun von zehn Filmen völlig unrealistisch und oftmals lächerlich dargestellt werden (aber Journalisten haben ja keine Lobby und keine Möglichkeit, öffentlich auf sich aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren, wie das Bauern könnten): Der Bauernregel-Aufschrei der Landwirte ist ein gutes Beispiel dafür, was Interessenvertretungen vermögen können.

Mir würden übrigens andere Glockenspiele einfallen, die Empfinden verletzen könnten, europäische sogar, um es mal ganz niedrig aufzuhängen: Von Einbecks Neuem Rathaus schallt der Big-Ben-Klang wie in London zur vollen Stunde durch die Stadt, seit Jahrzehnten freilich schon, da drehte noch August Stukenbrok das Rad. Allerdings, in Zeiten des Brexit… Geht das noch? Ist das noch politisch korrekt? Hoffentlich kommt niemand auf den Gedanken, die Bürgermeisterin zu bitten… Bitte nicht!