Kolumne: Demokratie
09.11.2018, fb – Kolumne

Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Es gibt sie nicht automatisch. Sie wird nicht vererbt. Nur, weil wir inzwischen seit mehr als 70 Jahren in einem demokratischen Staat leben und dadurch mehrere Generationen nichts anderes mehr kennen, ist Demokratie kein Naturgesetz. Sie muss erarbeitet werden, um sie muss man sich bemühen, für ihren Erhalt einstehen. Zu erfahren, wie eine Demokratie funktioniert, kann nicht früh genug beginnen. Die Stadtjugendpflege Einbeck hat in dieser Woche gemeinsam mit dem Institut für Demokratieforschung aus Göttingen zwei Veranstaltungen für 230 Schüler der 4. Klassen aller Einbecker Grundschulen durchgeführt. Mehrere Kommunalpolitiker, die Politik ja auch lediglich in ihrer Freizeit machen, haben sich viel Zeit genommen, um mit den Kindern zu diskutieren und ihnen zu erklären, wie Demokratie auf der lokalen Ebene funktioniert. In kleinen Gruppen merkten die Schüler schnell, dass man sich beispielsweise Mehrheiten organisieren muss, um seine Ziele durchsetzen zu können, wenn die Wunschliste länger als der Geldbeutel groß ist. Wichtig wird nun sein, dass das Protokoll der Veranstaltungen nicht in einer Schublade verschwindet, sondern dass es zeitnah im Stadtrat-Fachausschuss diskutiert und vielleicht der eine oder andere Wunsch der Kinder erfüllt wird. Nicht alles wird gehen – auch das ist eine Erfahrung von Demokratie – oder es wird länger dauern als nicht nur Kinder sich vorstellen, Demokratie heißt oftmals auch Frustbewältigung. Aber wenn beispielsweise die neue Mehrzweckhalle ein großes Trampolin erhält oder wenigstens eine Toilettenanlage in einer Grundschule zügig saniert wird, können die Kinder den Erfolg ihrer demokratischen Bemühungen unmittelbar spüren. Das wäre gut.