Kolumne: Der Weg
16.06.2017, fb – Kolumne

Gewohnheiten bestimmen unser Leben. Das fängt beim Frühstück an. Wer variiert schon seine Müsli-Sorte jeden Tag? Und alle Routine geht beim Weg zur Arbeit weiter. Durch die Stadt nehmen wir stets die gleiche Strecke. Und wenn diese mal versperrt ist, ärgern wir uns. Haben Sie es schon bemerkt? Der Weg vom Marktplatz in Einbeck durch die Sparkasse zur Knochenhauerstraße ist zurzeit nicht möglich. Das Kreditinstitut baut um, und seit dieser Woche kann deshalb niemand mehr bis zum Jahresende den Durchgang nutzen. Ärgerlich? Ja, auch. Obwohl so weit die Umwege über Hallenplan oder Geiststraße nun auch wieder nicht sind.

Denn vor allem ist diese Baustelle ein Gewinn. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird nicht nur der Durchgang wieder problemlos möglich sein, der für viele Innenstadt-Besucher eine beliebte Abkürzung ist. Die Gewohnheit gewinnt also wieder. Und die Sparkasse wird dann zur Passage, die rund um die Uhr geöffnet sein wird. Nicht nur während der Öffnungszeiten des Kreditinstituts. Sondern in Zukunft also beispielsweise auch mittwochs und freitags nachmittags und am Wochenende. Die Sparkasse hat erkannt, dass sie ihre große City-Fläche nicht mehr komplett selbst benötigt. Und sich entschieden, mit dem Umbau unter anderem auch Einbeck städtebaulich im Herzen zu stärken.

Die Passage wird eine Gastronomie bekommen, mit „Außenbestuhlung“ unter dem Dach, also auch bei Regen oder kühleren Temperaturen nutzbar. Gleichzeitig wird das Kreditinstitut, so das Versprechen, ein rund um die Uhr erreichbares, barrierefreies WC in der Passage zur Verfügung stellen. Dann hätte das schäbige Dixi-Klo auf dem Hallenplan ein Ende, ohne dass Bedürftige auf eine neue Behindertentoilette im umgebauten Alten Rathaus warten müssen – was ja noch länger dauern dürfte. Das alles ist gut für Einbeck. Was sind da schon ein paar Monate lang ein paar Schritte mehr?