Kolumne: Diskussion mit Toleranz
21.12.2018, fb – Kolumne

Über Geschmack lässt sich streiten. Leider haben viele heutzutage aber das Streiten verlernt. Ein Streitgespräch ist bei manchen nur noch ein Niedermachen anderer Meinungen. So kann keine Diskussion funktionieren, die vom Austausch verschiedener Meinungen lebt – und von der Toleranz. Und Toleranz bedeutet deutlich mehr als das Dulden anderer Ansichten, sondern vielmehr das Anerkennen einer vielleicht einem selbst fremden Sichtweise. Als einer von mehreren möglichen. Mit Weihnachtsmilde hat das übrigens alles nichts zu tun.

Was das mit „dieser Acht da“ neben der Marktkirche zu tun hat? Sehr viel. Was gab es nicht alles schon zu lesen, kaum war auch nur das Fundament gegossen. Und nun, nach der Einweihung, wird es sicher mancherorts so weiter gehen. Wie das wohl die 19 Schülerinnen und Schüler empfinden, die die seltene Gelegenheit bekommen haben, mit einem Künstler zusammen zu arbeiten, der schon bei der Documenta, der Kunst-Ausstellung in Deutschland schlechthin, aktiv werden durfte?

Finanziert wird alles übrigens nahezu ausschließlich aus privaten Kassen. Jeder kann mit seinem eigenen Geld doch machen, was er möchte, oder? Und für das Aufstellen im öffentlichen Raum waren jede Menge Regeln zu beachten, bis sich alles drehen konnte und durfte. Das übrigens hat auch dazu beigetragen, dass das Kunstwerk erst jetzt aufgestellt werden konnte.

Ein wenig früher freilich hätten ausführliche Informationen für die Öffentlichkeit vermutlich ein bisschen dazu beigetragen, manche Debatte erst gar nicht ausufern zu lassen: 19 Tage lang stand es schon fertig da, bevor die offizielle Eröffnung stattfand. Nun aber ist das Kunstwerk an die Stadt Einbeck übergeben und steht im öffentlichen Raum. Schauen Sie einmal vorbei, schauen Sie sich das sich bewegende Kunstwerk in Ruhe an oder betrachten Sie Fotos oder Videos der „Von Null bis Unendlich“-Installation. Danach kann jeder gerne sagen, dass ihm das nicht gefällt oder er oder sie den Standort nicht ideal findet. Aber er möge bitte auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die es anders empfinden.