Kolumne: Ein Pfund
01.12.2017, fb – Kolumne

Bereits der Begriff ist sperrig: Denkmaltopografie der Stadt Einbeck. Und der Inhalt ist auch keine leichte Lektüre für den Nachttisch. Zumal das 3,5 Kilo schwere Buch mit seinen 634 Seiten nicht gerade handlich ist. Aber es ist lesenswert: Wussten Sie beispielsweise, dass schon den Zeitgenossen im 18. Jahrhundert bewusst war, dass die damals errichtete Stützmauer am schiefen Marktkirchentum statisch ohne Wert war und nur zur Beruhigung der Anwohner gebaut wurde?

Thomas Kellmann hat mit seinem Buch über alle Baudenkmale in Einbeck etwas vorgelegt, das nicht allein eine 25 Jahre dauernde, akkribische Arbeit abschließt. Das Denkmalverzeichnis mit der Geschichte jedes Denkmals und der Zusammenhänge für das Stadtbild wird in Zukunft bei jeder Frage zu Rate gezogen werden, wenn es um Entscheidungen geht, ob und wie ein historisches Gebäude saniert werden soll.

Wozu das alles? Diese Frage stellte Thomas Kellmann bei der Präsentation selbst. Denn auch der Oberkonservator weiß um die Vorbehalte gegenüber dem Denkmalschutz. Er hat sie selbst unmittelbar erfahren, als er vor Jahren alle Häuser in der Altstadt unter die Lupe genommen hat. Und zwar nicht nur durch intensives Aktenstudium und oberflächlichen Blick auf die Fassade: Kellmann war in Kellern und auf Dachböden, die nie ein Historiker zuvor betreten hatte. Er hat daraus in der Denkmaltopografie Schlüsse ziehen können, die für eine historische Stadt wie Einbeck enormes Kapital sein können. Kapital für die Zukunft.

Der ehemalige Baudirektor Gerald Strohmeier, der quasi die gesamte Zeit der Arbeiten an der Denkmaltopografie im Rathaus miterleben konnte, hat es auf eine treffende Formel gebracht: Ehre das Alte, wage Neues. Wenn bei Entscheidungen in Fragen des Denkmalschutzes Augenmaß und Verhältnismäßigkeit beachtet werden, kann eine Stadt wie Einbeck mit seinem historischen Pfund wuchern, ohne die Chancen für eine erfolgreiche Zukunft zu verpassen.