Kolumne: Entscheiden die Bürger?
25.01.2019, fb – Kolumne

Der erste Bürgerentscheid in der Geschichte des Landkreises Northeim findet am kommenden Sonntag statt. Mit diesem direktesten Element der Demokratie, das mit der beeindruckenden Zahl von mehr als 13.000 Unterschriften durch engagierten Bürgerwillen erreicht worden ist, soll das Jugendfreizeitheim Silberborn in letzter Minute in kommunaler, also öffentlicher Trägerschaft gehalten werden. Wie spät es ist, sieht jeder Wahlberechtigte auf dem Stimmzettel, der ihm am Sonntag im Abstimmungslokal vorgelegt wird: Ja oder Nein ist gefragt, ob die Einrichtung über den 31.12.2018 hinaus in Landkreis-Hand bleiben soll. Und das wird am 27. Januar gefragt. Das am Sonntag Abend ausgezählte Ergebnis wird also quasi den Silberborn-Schlüssel führen: Unmittelbar zuschließen oder wieder jeden Tag aufschließen für einen Weiterbetrieb.

Wobei ein nahtloses „Weiter so“ weder gewollt noch gekonnt sein wird. Die Aktien, deren Erlöse bislang das jährliche Defizit gerade noch so ausgleichen konnten, sind bereits längst weiter gereicht worden – vor dem Start eines Bürgerbegehrens. Sie stehen also nicht mehr als Geldquelle für das Jugendfreizeitheim zur Verfügung. Zwei Jahre lang dürften noch die vorhandenen Rücklagen ausreichen, in frühestens zwei Jahren könnte der Kreistag aber auch einen neuen Verkauf- bzw. Schließungsbeschluss fassen. Was ist also gewonnen?

Die Stimmenzahl am Sonntag wird zeigen, wie hoch das Interesse und die Verbundenheit wirklich sind. Oder ob bei den Bürgern das Vertrauen in die getroffene Entscheidung der gewählten Volksvertreter im Kreistag am Ende doch größer ist. Die Hürde ist hoch, sehr hoch. Nur zum Vergleich: Es müssten für eine kommunale Silberborn-Zukunft am Sonntag mehr Menschen für Ja stimmen als bei der jüngsten Landratswahl die amtierende Landrätin in der Stichwahl auf sich vereinigen konnte. Ich bin gespannt, ob das gelingt. Überzeugt bin ich nicht.