Kolumne: Fahrschein falten
09.06.2017, fb – Kolumne

Selbst wer nicht allzu häufig mit der Bahn fährt, weiß natürlich längst, dass der Schaffner nicht mehr mit der Knippszange durch den Zug geht oder die Fahrkarte mit dem Zeitstempel markiert. Und Schaffner heißen die freundlichen Menschen ja auch nicht mehr, sondern sie begleiten den Zug – und schaffen nicht mehr. Jetzt aber soll die Fahrkarte abgeschafft werden, keinen Fahrschein aus Papier mehr soll es geben. Eine schnöde Handy-App soll künftig erkennen, dass wir im Zug sitzen und dann automatisch die Summe für die Strecke abbuchen, für die wir ein- und ausgestiegen und an der elektronischen Registrierungsschranke vorbei gegangen sind. Klingt praktisch.

Ich will gar nicht von Datenschutz lamentieren und mahnend den Finger heben, dass ja fast, aber doch noch nicht jeder ein Handy besitzt, das diese App-Fahrscheine wird möglich machen können. Den entscheidenden Nachteil hat – knallhart investigativ selbstverständlich – ein Journalistenkollege vom Spiegel beschrieben: Wenn der Zug mal wieder auf freier Strecke stehen bleibe und er sich als Pendler langweile, faltet der Mann aus dem Papier-Fahrschein eine Schwalbe. Und wenn’s mal länger dauert, faltet er die Schwalbe in ein Schiffchen um, schließlich das Schiffchen in eine Narrenkappe. Letztere deshalb, weil er wieder mal die Verspätung bei seiner Terminkoordination nicht eingeplant hat. Der Mann fragt hilflos: „Was mache ich ohne Papier-Fahrschein?“ Er wartet auf das faltbare Handy oder Tablet. Ich warte mit.