Kolumne: Hanse beleben
22.06.2018, fb – Kolumne

Einbeck ist nicht Hamburg. Und nicht Rostock. Natürlich nicht. Ein Vergleich würde mehr als hinken. Und dennoch haben die Städte etwas gemeinsam. Seit Jahrhunderten. Sie sind Hansestädte, große oder kleinere – und dieses Bündnis hat früher dafür gesorgt, dass von ehrbaren Kaufleuten ungestörter Handel getrieben werden konnte. Die Hanse hat ermöglicht, dass Einbecker Bier, der Export-Artikel Nummer 1, bis nach Reval, bis nach Amsterdam und in andere einst ferne Städte transportiert werden konnte. Das, was heute viele für so selbstverständlich halten, den freien Handel zwischen entfernten Orten und Ländern, die Hanse hat ihn befördert.

In Rostock hat gestern der Hansetag der Neuzeit begonnen, er dauert bis Sonntag. Einbeck ist nach Jahren der Pause wieder mal dabei. Das ist gut so. Und ein erster Schritt, sich in der internationalen Hansefamilie mal wieder zu präsentieren, sich zurück zu melden. Vor einiger Zeit ist im Stadtrat in Einbeck der Gedanke schnell verworfen worden, ob man sich wieder offiziell Hansestadt nennen sollte. Zu teuer, zu kompliziert, hieß es damals.

Das mag zutreffen. Für Einbeck dürfte es genügen, sich hin und wieder auch auf seine hansische Tradition zu besinnen. Ein kluges Investment hier ist keine reine Ausgabe von Geld, die das natürlich zunächst kostet. Einbeck ist mehr als Bier, Fachwerk und Oldtimer. Rostock nutzt die Hanse auch, um den Tourismus weiter auszubauen, auch international. Rostock will „alte Strukturen neu bespielen“, wie das der Tourismusdirektor bei der Eröffnungspressekonferenz so schön gesagt hat. Hier kann Einbeck lernen. Rostocks Oberbürgermeister sucht scherzhaft nach einem Medikament gegen den Hanse-Virus, denn in seiner Stadt ist fast alles Hanse. Was der Stadt enorm nutzt. In Einbeck wäre es schon mal schön, wenn der Virus wenigstens mal wieder überspringt.

Mehr aktuell vom Hansetag unter www.hansetagblogger.de