Kolumne: Lob für den Mut
12.05.2017, fb – Kolumne

Seniorenheim und Tattoo – das geht auch auf den zweiten Blick scheinbar zunächst schwer zusammen. Was haben die in die Haut gestochenen Bilder mit einem Haus für alte Menschen zu tun? Viele Tattoo-Trägerinnen auf Arm, Bein oder Dekolleté würden gerne in der Pflege einen Beruf erlernen und dann dort arbeiten, haben aber Hemmungen und trauen sich nicht, weil sie Angst haben, schief angesehen und bei der Personalsuche abgelehnt zu werden, weil ihre Tattoos sichtbar sind. Da verdient der ungewöhnliche Ansatz eines Seniorenheims in Einbeck großes Lob, einmal neue Wege zu gehen, etwas Neues zu wagen. Vorurteile abbauen zu helfen ist immer gut.

Natürlich möchte der Betreiber mit der Veranstaltung Werbung für sich machen, und ja, er sucht über diesen Weg auch neue Mitarbeiterinnen. Für die Bewohner ist der Nachmittag aber eben auch eine ungewöhnliche Unterhaltung und Abwechslung. Das alles ist legitim. Nur wer auffällt im medialen Nachrichten- und Werbestrom, erregt überhaupt noch Aufmerksamkeit in unserer immer schneller sich drehenden Welt, in der scheinbar schon alles einmal da gewesen ist. Eine gewöhnliche Praktikums- oder Berufsmesse im Altenheim haben wir schon hundertmal gesehen.

Aus Fehlern der Premiere werden die Organisatoren lernen. Das ist normal und sollte jeder tun – aus Fehlern lernen. Warum findet die Veranstaltung statt, was können die Besucher erwarten? Beim nächsten Mal werden es die Veranstalter noch besser erklären. Zunächst einmal aber machen Tattoo und Seniorenheim neugierig. Und wer das geschafft hat, die Neugier zu wecken, der hat schon viel erreicht.