Kolumne: Lücken und Leerstände
01.06.2018, fb – Kolumne

Hätten Sie gedacht, dass es in der Einbecker Kernstadt 74 Baulücken und 62 Leerstände gibt? Dass es inklusive der Ortschaften 398 Lücken und 241 Leerstände sind? Insgesamt eine Fläche von fast 900.000 Quadratmetern. Die Daten hat die Stadt Einbeck jetzt erfassen lassen, um aus diesen Zahlen für die Zukunft des Gemeinwesens Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das soll im September in den politischen Gremien passieren. Doch schon heute kann man erkennen, dass Einbeck noch im Bestand eine Menge Potenzial hat. Welches genutzt werden sollte. Und dabei immer daran denken: ein Donut schmeckt gut, bei einer Stadt ist ein Donut-Effekt jedoch gar nicht gut, denn dann ist ein Loch in der City, während die Gebiete am Rande immer größer werden.

Es war interessant gestern Abend im Rathaus zu beobachten, wie sich interessierte Bürger über Stadtpläne beugten, auf denen die Leerstände und Baulücken kartiert waren. Und diskutierten. Besonders beeindruckend der Innenstadtplan, bei dem viele Flächen schraffiert markiert sind. Dieses Symbol steht für Teilleerstand – und beschreibt ein Phänomen, das jeder selbst nachvollziehen kann, wenn er mit offenen Augen durch die City geht und den Blick auch mal hebt. Denn oftmals sind im Erdgeschoss (noch) Geschäfte, im Obergeschoss aber keine bewohnten Wohnungen mehr.

Es gibt Potenzialgebiete, wie das die Planer nennen. Darunter befinden sich bekannte und oft diskutierte Areale wie die der ehemaligen Stadtgärtnerei am Walkemühlenweg oder das erweiterte Wohngebiet am Weinberg. Aber auf den Karten habe ich auch noch bislang unbekannte Baulücken gefunden und Flächen, die einfach zu erschließen sein dürften. Warum eigentlich über den Weinberg streiten, wenn es am verlängerten Andershäuser Kirchweg noch große Flächen im vorhandenen Bebauungsplan gibt? Weil die Flächen nicht verfügbar sind, sprich sie jemand nicht verkaufen möchte?

Zu einer funktionierenden Stadtgesellschaft gehören Neubaugebiete ebenso wie geschlossene Baulücken in der Altstadt. Dazu gehören Immobilienbesitzer, die in ihre Häuser stetig investieren, moderne Wohnungen zu bezahlbaren Preisen bereitstellen können, weil sie keine zu hohen Auflagen bekommen, die Projekte verteuern. Und unerschrockene Immobilienbesitzer, die das auch tun, und nicht lieber leer stehen lassen und oder spekulieren. Bis dahin mag es ein weiter Weg sein. Aber wir müssen ihn gehen, um unsere Stadt zukunftsfähig zu halten. So sehr ich Donuts mag, um mal im Bild des Bäckereihandwerks zu bleiben: In der Stadtentwicklung sind mir Berliner-Krapfen mit süßer, roter Füllung mittendrin viel lieber.