Kolumne: Nassforsche Rechnung
04.05.2018, fb – Kolumne

Wenn sich binnen weniger Tage eine Bürgerinitiative gründet und nahezu alle Betroffenen hinter sich versammelt, dann muss der Groll groß sein. In der Tiedexer Straße und im Tiedexer Torhaus in Einbeck ist der Protest so stark, weil die Innenstadt-Straße ungeliebt umgebaut werden soll – und die Anlieger die größte Zeche der gestiegenen Gesamtkosten zahlen sollen. Dass die Straße mit der schönsten und längsten erhaltenen Zeile von historischen Fachwerkhäusern in Einbeck einen neuen Straßenbelag mit breiteren Gehwegen erhalten soll, ist nicht ganz neu. Aber dass es jetzt doppelt so teuer werden soll wie ursprünglich mal gedacht, bringt die Anlieger in Harnisch. Verständlicherweise, auch wenn die Höhe der Kosten für den nun geplanten massiveren Ausbau nachvollziehbar erscheinen. Dadurch steigen aber auch die zu zahlenden Anteile der Anlieger am Straßenausbau deutlich. Das freut niemanden.

Ein Fehler und sozusagen ein Turbo im Protest gegen den Ausbau war die wenig elegant eingefädelte Einbeziehung des Tiedexer Torhauses. Falls die Rechnung gewesen sein soll, damit nicht allein das Versäumnis, 80 vergessene Meter auf der Magistrale zwischen PS-Speicher und Möncheplatz nachträglich zu heilen, sondern auch die Gesamtkosten auf mehrere Schultern zu verteilen, geht diese nassforsche Rechnung nicht so einfach auf wie das vielleicht viele gedacht haben mögen. Denn in dem Terrassenhaus am Rande der Altstadt leben eben nicht 110 potenzielle, willige Zahler. Sondern 110 höchst individuelle Eigentümer, denen eine Protestschablone auf dem Silbertablett serviert wurde. Haben sie doch von einem schöneren Straßenbelag des Tiedexer Tores nur sehr bedingt etwas, ist die Erschließung ihres großen Hauses wesentlich auf die benachbarte Stadtgrabenstraße ausgerichtet. Deshalb sind die Eigentümer schneller zu einer Mehrheit versammelt als sie es je wären, wenn es darum ginge, ihr gemeinsames Haus neu zu streichen.