Kolumne: Postkarten
31.03.2017, fb – Kolumne

Nennen Sie mich altmodisch. Aber ich habe durchaus hin und wieder gerne Ansichtskarten in meinem Briefkasten. Auch in Zeiten der mutmaßlich sozialen Medien mit ihren selbstdarstellenden Selfies, des ständig gegenwärtigen Smartphones mit seinen Segnungen. Oder gerade in diesen Zeiten. Postkarten aus Papier mit Ansichten von fremden Städten, mit wohl überlegten Worten auf der Rückseite, schließlich ist nur begrenzt dort Platz – das hat was. Es ist vor allem von Dauer.

Und so zauberte jüngst ein junges Paar ein Lächeln in mein Gesicht. Es saß im Café am Nachbartisch und schrieb Ansichtskarten. Ein gutes Dutzend verschiedener Postkarten lagen dort, und die beiden unterhielten sich lebhaft, wer denn wem schreiben wolle, müsse, solle. Und dann griffen beide zum Stift und teilten die Postkarten auf. Noch breiter wurde mein Lächeln, als einer von beiden sein Handy aus der Tasche holte. Was will er jetzt damit, überlegte ich. Die Antwort war schnell klar: In dem elektronischen ständigen Begleiter waren die Postadressen derer gespeichert, die aus dem Urlaub Papier-Post bekommen sollten. Ohne die Adresse wäre schließlich die schönste Karte mit Ansicht wirkungslos und verfehlte ihr Ziel. Gut, dass es Handys gibt.