Kolumne: Sagen, was ist
27.04.2018, fb – Kolumne

Das Phänomen ist nicht neu: Sobald ein Geschäft schließt, gibt es meist vielfaches Bedauern zu vernehmen, dass es diesen Laden nun leider, leider nicht mehr gibt. Dass der Besitzer aufgeben, dass die Filiale schließen musste. Wenn man dann fragt, wann der Traurige denn das Geschäft das letzte Mal als Kunde betreten und dort auch etwas gekauft hat, müssen einige sehr lange in ihren Erinnerungen kramen. Es bleibt die Erkenntnis: Stationärer Handel lebt von Kunden, die in ausreichender Zahl persönlich das Geschäft besuchen und dort Geld lassen.

Wenn jetzt nach der Sparkasse auch die Volksbank ihre Filiale in Salzderhelden schließt, ist das imgrunde ähnlich. Auch hier die Frage: Wann war der Großteil der Kunden denn letztmals persönlich vor Ort? Werden die meisten Bankgeschäfte von der überwiegenden Mehrheit nicht heute elektronisch, per App oder telefonisch erledigt, das Geld am Automat besorgt oder gleich beim Einkauf an der Supermarktkasse (sofern überhaupt noch Bargeld notwendig ist)? Das Ja trifft dabei nicht nur auf die jungen Kunden zu, längst nutzen auch ältere Menschen routiniert und bequem das Online-Banking. Und für nur noch wenige Kunden, zu wenige, die persönlich zur Bank vor Ort im Dorf gehen wollen, die Filiale vorzuhalten, ist beim immer stärker werdenden Kostendruck in Zeiten, in denen Kreditinstitute durch niedrigste Zinsen weniger verdienen als noch vor Jahren, nicht mehr rentabel.

Allerdings: Sparkassen und Volksbanken sind keine Institute, die auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind wie Privatbanken. Sie haben – und zwar nicht nur aus historischen Wurzeln oder einem öffentlichen Auftrag begründet – eine Verantwortung für die Region. Diese betonen sie an anderer Stelle immer gerne. Deshalb dürfen Entscheidungen, Filialen zu schließen, niemals leicht getroffen werden. Vor allem aber sollten die regionalen Bankhäuser so viel Rückgrat haben, es auch so zu benennen wie es ist, und nicht als „Integration“ oder "Zusammenlegungen" zu verharmlosen.