Kolumne: Sammler 2.0
14.09.2018, fb – Kolumne

Wer vor einer Woche beim Tauschtreffen in der Verladehalle der Einbecker Brauerei auch nur ein wenig die Besucher beobachten und mit ihnen über ihr Hobby sprechen konnte und damit ein ganz kleines Stückchen eingetaucht ist in die Sammlerwelt, der kann nur Respekt haben. Was in Gaststätten irgendwann früher oder später entsorgt wird, weil es durchweicht, mit Strichen verziert oder einfach überholt ist, haben manche fein säuberlich – natürlich ohne Knick und Strich – in Alben einsortiert und aufbewahrt: Bierdeckel, Pilsdeckchen, Kellnerzettel, Kronkorken oder Etiketten. Sagenhafte 350.000 Etiketten von Bierflaschen nennt beispielsweise der diesjährige Träger des Goldenen Bierdeckels sein Eigen, der höchsten Auszeichnung des international aktiven und vernetzten Verbandes für Brauereikultur.

Wer als Sammler zu solchen Tauschtreffen geht und sich Kiste für Kiste durch die feilgebotenen Exemplare wühlen will, muss entweder ein gutes Gedächtnis oder eine akkurate Liste haben. Oder aber er kommt nur noch durch gezielte Fragen weiter: Ich suche das Einbecker Etikett von Brauherren Pils aus dem Jahr 1976. Der moderne Sammler bedient sich modernster mobiler Technik. Nicht wenige nämlich zücken einfach ihr Handy und fragen ihre Bildergalerie, in der sie alle Deckel, Etiketten oder Kronkorken sorgfältig sortiert abgelichtet und immer dabei haben. Das sind dann wohl die Sammler 2.0. Mindestens.