Kolumne: Schon gewählt?
22.09.2017, fb – Kolumne

Haben Sie schon ihre zwei Kreuze gemacht? Dann würden Sie im Trend liegen. Am Sonntag sind Bundestagswahlen, und immer mehr Wahlberechtigte geben ihre Stimme bereits Tage vor dem Wahltermin ab. Das ist bequem, keine Frage. Aber eine demokratische Wahl lebt eben auch davon, dass alle Wahlberechtigten zur gleichen Zeit, an einem Tag, versehen mit (jedenfalls theoretisch) den gleichen Informationen ihr Kreuz bei Kandidat und Partei machen. Wer schon vor zwei Wochen briefgewählt hat, konnte die jüngsten Entwicklungen während des Wahlkampfes bei seiner Entscheidung gar nicht mehr berücksichtigen. Auch wenn diese noch so überschaubar sein mögen.

Und wenn dann am Sonntag um 18 Uhr alle Wahllokale geschlossen und alle Stimmen ausgezählt sind, wird die spannende Frage in Einbeck sein: Wird erstmals ein Einbecker Mitglied des Deutschen Bundestages? Die Chance jedenfalls besteht. So gut wie ausgemacht ist, dass entweder Marcus Seidel (SPD) aus Einbeck oder Dr. Roy Kühne (CDU) aus Northeim den Wahlkreis in Berlin vertreten wird. Und nicht beide. Denn beide sind vergleichsweise schlecht auf den Landeslisten ihrer Parteien platziert. Wahrscheinlich ist deshalb, dass nur das Direktmandat einen Platz unter der Reichstagskuppel sichert.

Das wird ein spannendes Rennen, war doch bereits vor vier Jahren der Abstand zwischen dem damaligen SPD-Direktkandidaten Dr. Wilhelm Priesmeier (der nicht wieder antritt) und dem damaligen Newcomer Dr. Roy Kühne äußerst knapp, Kühne schaffte es über die Landesliste ins Parlament und entfaltete dort eine emsige Aktivität. Wird das vom Wähler belohnt?

Entscheidend ist, dass am Sonntag möglichst viele Menschen zur Wahl gehen, demokratische Parteien und Kandidaten ankreuzen und nicht müde zuhause bleiben. Demokratie lebt vom Mitmachen. Und wer nicht wählt, stärkt die Extremisten. Das kann niemand wollen, dem an einer guten Vertretung der Region in Berlin etwas liegt.