Kolumne: Sonnabends nie
04.01.2019, fb – Kolumne

Wer häufiger an Versammlungen teilnimmt, weiß was ich meine. Wer regelmäßig an Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften teilnimmt, weiß das ganz sicher. Die Wortmeldungen bei diesen Veranstaltungen sind stets eine Quelle großer Erkenntnis. Nicht immer der Freude. Sie verraten manchmal mehr über den Redner als diesem bewusst und wahrscheinlich lieb ist. Seine Menschenkenntnis kann bei dieser Gelegenheit jeder Beobachter kostengünstig schulen. Wer es nicht auf eine Comedy-Bühne schafft, kaufe sich eine Aktie einer beliebigen Aktiengesellschaft, dann kann er sich dort am Rednerpult hemmungslos selbst darstellen, scheint die Parole zu sein. Bitte probieren Sie das nicht bei Unternehmen aus Einbeck aus, denn die Versammlungen besuche ich häufiger beruflich. Danke. Applaus gibt’s zwar keinen, aber wer braucht den schon? Nicht kritisiert ist genug gelobt. Rechtzeitig vor der Erkältungszeit und den wieder zahlreichen Neujahrsempfängen habe ich auf einer dieser Versammlungen nun den bahnbrechenden Vorschlag miterleben dürfen, der sich sogar Antrag nannte, nämlich sich doch bitte nur noch sonnabends die Hände zu schütteln. Warum? Wieso? Das blieb in der Versammlung unklar und trotz Scheinwerfern im Dunkeln. Spätestens dann, wenn Sie der nächste anhustet und anschnupft, werden Sie diesen visionären Antrag loben. Und sich Aktien kaufen, damit der Antrag eine Mehrheit bekommt.