Kolumne: Strom-Spannung
30.03.2018, fb – Kolumne

Es gibt gute Gründe für die neue Stromleitung, für die in dieser Woche die Bauarbeiten südlich von Einbeck begonnen haben. Denn bekanntlich kommt der Strom ja nicht nur aus der Steckdose. Auch dorthin muss er irgendwie gelangen. Vor allem, wenn auch möglichst keine Windkraftanlagen vor Ort die Kernenergie ersetzen sollen. Moderne Stromleitungen sind wie leistungsfähige Lebensadern einer modernen Gesellschaft. Ebenso wie Glasfaserkabel und eine schnelle Internetverbindung. Aber das ist ein anderes Thema.

Seit mehr als zehn Jahren kämpfen Bürgerinitiativen gegen die 380-kV-Freileitung durch unsere Region. Mit mehr oder weniger guten Argumenten, in der Regel nicht breitbeinig und polemisch, sondern fachkundig. Dass auch Erdkabel möglich sind, zeigt die nächste bevorstehende, freilich für den Betreiber (und damit uns Stromkunden) teurere Stromleitung, der Südlink. Ein Problem seit Jahren schon ist leider, dass die verschiedenen BI’s und ihr Spitzenpersonal sich nicht einig sind, sondern jede lieber ihre eigene Suppe kocht. Tennet dürfte diese Zersplitterung freuen.

In dieser Woche hat Netzbetreiber Tennet in seiner Presseinformation die Trasse von Wahle bei Peine nach Mecklar in Nordhessen als eine „Grünstromleitung“ bezeichnet. Grün, weil der im Norden von Windrädern produzierte Strom über die 380-kV-Leitung in den Süden transportiert wird? Tennet sollte sich bewusst sein: Wer es mit Marketing-Sprech übertreibt, darf sich nicht wundern, wenn auch an anderen Aussagen Zweifel aufkommen.