Kolumne: Traumatisch
19.10.2018, fb – Kolumne

Ich habe einen Traum. Nachts schrecke ich in jüngster Zeit öfter hoch, weil er mir wieder erschienen ist, dieser Traum. Er handelt davon, dass feixend in einem Dorf vor den Toren der Kernstadt ein Kobold an seinem Computer sitzt und pfeilschnell seine Daten aus der Breitband-Leitung saugt. Videos ohne Ruckeln anschaut, E-Mails mit größeren Dateianhängen mühelos verschickt und empfängt. Und dieser Kobold spricht dann zu mir, der ich in der stolzen Innenstadt einer einst so stolzen Stadt wohne und ihn traurig anschaue: „Ja, würdest Du nicht mitten in dieser einstmals so modernen Stadt wohnen, sondern hier bei uns auf dem Dorf, dann hättest Du auch ein schnelles Glasfaser zu deinem Computer legen lassen können. Aber Du hast ja immer so herab geschaut auf uns Dörfler. Da haben wir es Euch mal gezeigt, Euch hochnäsigen Städtern. Wir haben die Sache einfach mal selbst in die Hand genommen und haben nicht auf den großen Riesen vertraut, sondern auf die kleinen Zwerge. Es war übrigens kein großes Problem, weil wir hier auf dem Dorf ja sowieso besser  zusammenhalten. Nicht so wie ihr da in der Stadt.“ Und dann trollt sich der Kobold wieder zu seinem Computer, ruft mir noch ein „viel Spaß in der Zukunft“ zu und lacht so schaurig und laut, dass ich dann immer aufwache aus meinem Traum. Oder ist der Traum etwa Realität?