Kolumne: Tresor
19.01.2018, fb – Kolumne

Das wär’s ja gewesen: Ein verborgener Schatz in einem vergessenen Tresor. Die Hoffnung im Einbecker Rathaus währte nur kurz. Dann hatte der erfahrene Schlosser seines Handwerks gewaltet, und der in den vergangenen Jahrzehnten hinter einer Holzverkleidung verborgene Stahlschrank stand offen. Er war leer. Keine D-Mark, keine brisanten Akten, einzig das Blatt eines Büro-Abreißkalenders lag in dem alten Tresor. Vom 24. August 1959. Ein Montag. Das Jahr, in dem mit Auguste Jünemann in Einbeck erstmals eine Frau den Bürgermeister-Posten übernommen hat. Wurde an diesem Tag der überflüssig gewordene Tresor letztmals geschlossen, bevor die Wandverkleidung montiert wurde und ihn künftig verbarg? Das heutige Trauzimmer, in dem der vergessene Tresor in dieser Woche geöffnet wurde, diente schließlich viele Jahre als Dienstzimmer des Bürgermeisters.

Was passiert nun mit dem Tresor? Das Trauzimmer wird zurzeit ebenso wie der benachbarte Sitzungssaal modernisiert. Schön wäre es, wenn die historischen, mehr als 100 Jahre alten Stahlschränke in die Gestaltung des Rathaus-Raumes integriert werden könnten. Sie auszubauen, dürfte nicht nur zu aufwändig und zu teuer sein. Wenn sie ausgebaut wären, wohin dann mit Ihnen? Doch hoffentlich nicht zum Altmetall. Sie gehören zur Geschichte des Gebäudes, in dem einst nicht nur die städtische Kämmerei, sondern bis 1905 auch die städtische Sparkasse beheimatet war.

Was bleibt ist eine große Hoffnung. Die Hoffnung auf weitere unbekannte Tresore und Geheimnisse in dem Historischen Rathaus. Wenn erst einmal das gesamte Gebäude saniert und modernisiert wird, inklusive Keller, könnte vielleicht doch noch ein Schatz entdeckt werden. Wer ein altes Haus umbaut, stößt schließlich meistens auf so manche Überraschung.