Kolumne: Um 7
18.01.2019, fb – Kolumne

Wir kennen das. Und fragen uns regelmäßig: Wie kann es da noch ein Privatleben und Zeit mit Familie und Freunden geben, wenn sich Berufspolitiker regelmäßig abends, bis in die Nacht oder am Wochenende zu Koalitionsrunden, Gipfeln oder stundenlangen Verhandlungen treffen? Allenfalls Sonnabend Abend sieht der geübte TV-Zuschauer, dass sich Spitzenpolitiker gerne mal ohne Krawatte aus dem Stadtpark des eigenen Wahlkreises in die Nachrichtensendungen zuschalten lassen. Sonntag Abend sitzen sie dann schon wieder in Berlin in der Talkshow.

Abseits vom Thema war es die Uhrzeit, die diese Woche aufhorchen ließ, wann der Bahn-Chef beim Verkehrsminister zum Gespräch antreten musste: „Ab 7 Uhr“ soll auf der Einladung gestanden haben. Das ist eine selbst im Büroalltag reichlich ungewöhnliche Uhrzeit für ein Treffen. Ich will gar nicht vom viel zitierten frühen Federtier schreiben. Wer jemanden morgens um eine solch frühe  Uhrzeit zum Rapport einbestellt, demonstriert natürlich auch, wie wahnsinnig beschäftigt er selbst ist. Kein Zeitfenster mehr frei in den nächsten Tagen? Doch, aber nur morgens um 6 Uhr beim Joggen geht’s noch. Geht’s noch? Leider ist nicht überliefert, wann der Bahn-Chef beim Verkehrsminister dann tatsächlich eintraf. Vielleicht sogar pünktlich?