Kolumne: Zeit, bis der Zug fährt
03.11.2017, fb – Kolumne

Manchmal bekommt man Zeit geschenkt. Ein Termin fällt kurzfristig aus. Die dafür vorgesehenen Stunden können anderweitig verplant werden – und sie werden es oftmals sehr schnell. So ähnlich ist das jetzt auch mit der Bahnstrecke zwischen Einbeck und Salzderhelden, die ursprünglich im Dezember dieses, nun aber erst im Dezember nächsten Jahres eröffnet werden soll. Ein Jahr Zeit also. Was sich damit alles anfangen lässt… Hoffentlich werden die Monate sinnvoll genutzt.

Nachdem das Hochwasser und eine überraschend marode Brücke einen Strich durch die Kalkulation gemacht haben: Die Entscheidung, jetzt nicht auf Biegen und Brechen den einstigen Zeitplan einhalten zu wollen, ist klug. Sie ist sicherlich auch erleichtert worden, weil die Landtagswahlen hinter uns liegen – und damit niemand mehr kurz vor dem Wahltag ein dringenden Bedürfnis hat, bei der feierlichen Eröffnung wahlkämpfend in die Kameras zu lächeln.

Ich hoffe, dass alle Verantwortlichen die Zeit nutzen, damit dann wirklich im Dezember 2018 alles für die Bahnfahrer fertig ist und passt. Dass man dann Fahrkarten direkt in Einbeck-Mitte am Bahnsteig kaufen kann, beispielsweise. Dass man bequem umsteigen kann vom Auto in den Zug. Dass man als auswärtiger Bahnreisender den Weg vom Bahnhof in die City findet. Dass nicht neue Baustellen-Überraschungen die direkte Schienenverbindung zwischen Mitte und Göttingen gleich wieder stören.

Ein wenig rächt sich jetzt die Hasenfüßigkeit, die schon weit fortgeschrittenen – zugegeben teuren – Planungen für eine Busbahnhof-Umgestaltung auf Eis gelegt zu haben. Der Fehler ist hier freilich vorher gemacht worden, indem man die Planer ohne vorher gesteckten Kostenrahmen einfach mal planen lassen hat. Daraus sollte Politik lernen. Wäre man hier vorausschauender vorgegangen, hätte der neue ZOB sicherlich rechtzeitig zum Bahnstart Realität werden können. Aber wie sagte mal ein großer Sozialdemokrat: Hätte, hätte, Fahrradkette.