Krauses Kindheitserinnerungen
18.09.2018, fb – Unterhaltung

Es gibt sie noch, die Brückenmauer aus Steinen. Auf der saß Dieter Krause als Kind öfter, wenn er mit seinem Opa von Holtershausen den einen Kilometer zur Bundesstraße ging. Autos zählen. Oder Autotypen erkennen. Jetzt war Dieter Krause wieder in Holtershausen. Und mit Udo Strohmeier auf den Spuren der Kindheit unterwegs. Über die hat Krause, 20 Jahre Redakteur bei der Illustrierten "Stern" in Berlin, ein Buch geschrieben. 450 Seiten voller dichter Erinnerungen an die 1950-er und 60er-Jahre im Osten Berlins, in der Kollwitzer Straße in Prenzlauer Berg. Als Udo Strohmeiers Sohn Marco eher zufällig auf "Kollwitz 66" aufmerksam wurde und darin mit einem Mal von Holtershausen las, recherchierte er - auch im Fotoalbum seines Großvaters Helmut aus den 1950-er und 60-er Jahren. Er fand alte Fotos, auf denen auch Dieter Krause als 13-jähriger zu sehen ist.

Seine Tochter habe sich darüber amüsiert, erzählt Dieter Krause bei seinem Holtershausen-Besuch und einem Rundgang durchs Dorf. "Du bist als Kind in Fotoalben von Leuten, die du nicht kennst?" Jetzt hat er sie kennengelernt, jedenfalls die Nachfahren. Und Udo, mit dem Dieter Krause auf einem Schwarzweißfoto von einem Ausflug zum Hermannsdenkmal im Juli 1961 zu sehen ist. Erstmals seit damals haben sich beide nun wieder getroffen, bevor Krause in Einbeck aus seinem Buch gelesen hat. Kurz nach den Fotos damals wurde die Mauer in Berlin gebaut. August 1961. Und Krause konnte seine West-Verwandten nicht mehr besuchen.

Bis dahin war er oft zwei Mal im Jahr in Holtershausen, zu Ostern und immer im Sommer. Die Reise aus Berlin war abenteuerlich, heute kaum noch vorstellbar. Zunächst seien sie aus Braunschweig mit dem Fahrrad nach Holtershausen gefahren, bis Braunschweig auf der Pritsche eines Lkw oder mit dem Zug, erzählt Krause beim Dorfrundgang. Später saß der kleine Dieter auf dem Weg zu seinem Opa im Motorrad-Beiwagen seines Vaters. Bei Regen musste er sich eine Plane über den Beiwagen ziehen.

An vieles kann sich Dieter Krause noch erinnern. Der alte Trafoturm steht auch heute noch in Holtershausen am Dorfeingang. Die Eingangstür zum Haus, in dem seine Großeltern gewohnt haben, die später nach Einbeck gezogen sind. Und natürlich die Mauer an der B3, gegenüber die Tankstelle. Dorthin ist er immer mit seinem Opa gegangen, der ihm dabei Flora und Fauna erklärte.

Dieter Krause arbeitete zu DDR-Zeiten bei der "Berliner Zeitung". Nach der Wende war der heute 71-Jährige über 20 Jahre Redakteur im Berliner Büro des "Stern". Sein Kollege Hans-Ulrich Jörges war auch einer, der Krause motiviert hat, seine Kindheitserinnerungen zu Papier zu bringen: "Dieter, das musst Du aufschreiben."

Frank Bertram